Von Thomas BIANCATO
Veröffentlicht am Fri, 29.08.2025 - 00:00
Der Spirituosenhersteller Pernod Ricard rechnet für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2025/26 mit einer besseren Umsatzentwicklung. Im ersten Quartal per Ende September dürfte der französische Konzern von Gegenwind in den USA und China gebremst werden: Die anhaltend schwache Verbrauchernachfrage macht dem französischen Unternehmen in China zu schaffen, in den USA der weitere Lagerabbau. Der Hersteller von Absolut Vodka und Jameson Whiskey bestätigte am Donnerstag, dass das Geschäftsjahr ein Übergangsjahr sein werde, das mit einem Umsatzrückgang im Zeitraum von Juni bis September beginnen werde. Für das am 30. Juni endende Geschäftsjahr verzeichnete das Unternehmen den weiteren Angaben zufolge einen Umsatz von 10,96 Milliarden Euro. Dies entspricht einem organischen Umsatzrückgang von 3,0 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr. Analysten hatten in einer vom Unternehmen erstellten Konsensprognose einen Rückgang von 3,2 Prozent erwartet.
Am schweizerischen Aktienmarkt hat sich am Donnerstag nicht viel getan. Der SMI gewann 0,1 Prozent auf 12.219 Punkte. Unter den 21 SMI-Werten standen sich elf Kursverlierer und zehn -gewinner gegenüber. Umgesetzt wurden 16,08 (zuvor: 14,9) Millionen Aktien. An den europäischen Börsen blieben die vorgezogenen Neuwahlen in Frankreich ein mögliches Risiko und eine stärker populistisch geprägte Regierung wäre für die Märkte eine unerwünschte Entwicklung. Die hohe Verschuldung und die Defizite des Landes stellen eine wachsende Herausforderung dar und die politischen Entscheidungsträger waren bisher nicht in der Lage, diese Probleme wirksam anzugehen. Nach der positiv aufgenommenen Telefonkonferenz des Vortages bei Swatch blieben im Sektor Richemont gesucht und kletterten um weitere 1,7 Prozent, Swatch zeigten sich jedoch sehr schwach. Nestle (+1,0%) wurden bei der Neuordnung des europäischen Kaffeemarktes Chancen eingeräumt, Keurig Dr Pepper aus den USA übernimmt JDE Peets und plant eine Neuaufstellung bei Kaffee. Docmorris (-6,3%) droht auf dem wichtigen deutschen Markt Konkurrenz. "Der Einstieg von dm als Konkurrent rückt immer näher", sagt ein Händler. Denn gemäss der jüngsten Äusserungen der Drogeriemarktkette solle "ab Herbst" mit der Belieferung deutscher Kunden aus Tschechien begonnen werden.
Europa
Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag kaum verändert geschlossen. Im frühen Handel lieferten die Quartalszahlen von Nvidia kurzfristig einen positiven Impuls, der allerdings schnell wieder verpuffte. Der DAX schloss zwei Punkte tiefer bei 24.040 Zählern, der Euro-Stoxx-50 legte um 0,1 Prozent auf 5.397 Punkte zu. Weiterhin gab es Argumente, das Risiko am Aktienmarkt etwas herunterzufahren. In Europa blieben die vorgezogenen Neuwahlen in Frankreich ein mögliches Risiko und eine stärker populistisch geprägte Regierung wäre für die Märkte eine unerwünschte Entwicklung. Die hohe Verschuldung und die Defizite des Landes stellen eine wachsende Herausforderung dar und die politischen Entscheidungsträger waren bisher nicht in der Lage, diese Probleme wirksam anzugehen. Von Unternehmensseite gibt es einige Nachrichten, die bewegten. Delivery Hero schlossen nach anfänglichen Gewinnen 6 Prozent tiefer. "Mit derart hohen Wechselkursbelastungen hat der Markt nicht gerechnet", kommentierte ein Händler die am Vorabend gesenkten Prognosen für bereinigtes EBITDA und Cashflow. Allerdings hat sich der Betreiber von Essenlieferdiensten für die Entwicklung von Umsatz und Bruttowarenwert optimistischer gezeigt. Nach etwas besseren Geschäftszahlen zogen Pernod Ricard um 1,4 Prozent an, und das obgleich der Ausblick des Getränkeherstellers von Analysten als schwächer eingestuft wurde. Nach Einschätzung der Citigroup stützt der Verkauf des Contitech-Geschäftsfelds OESL an Regent die Continental-Aktie (+1,1%) . Der OESL-Verkauf sei erst für Ende des Jahres in Aussicht gestellt worden. Die Vereinfachung der ContiTech-Struktur mit einer geringeren Abhängigkeit vom Autosektor sollte sich in zukünftig höheren Margen widerspiegeln.
USA
Wall Street hat am Donnerstag mit Aufschlägen auf die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von Nvidia reagiert. Der marktbreite S&P-500 erklomm sogar ein Allzeithoch, obwohl die US-KI-Ikone den Erwartungen nicht voll umfänglich gerecht geworden war. Das KI-Halbleiterflaggschiff verfehlte im wichtigen Geschäftsbereich Rechenzentren die Umsatzerwartung des Marktes knapp, übertraf aber insgesamt mit bereinigtem Gewinn und Erlös die Analystenschätzungen. Der Umsatz erreichte Rekordniveau trotz der schwierigen Handelsbeziehungen zu China. Der Ausblick fiel ebenfalls höher als erwartet aus, allerdings hiess es dazu von Nvidia auch, dass man für das laufende Quartal nicht von der Lieferung von H20-Chips nach China ausgehe. Für die Aktie ging es knapp unter ihrem Rekordhoch um 0,8 Prozent nach unten. Der Dow-Jones-Index kletterte um 0,2 Prozent auf 45.637 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 0,3 bzw. 0,5 Prozent zu. An der Nyse gab es nach ersten Zählungen 1.405 (Mittwoch: 1.754) Kursgewinner und 1.334 (1.003) Kursverlierer. 74 (61) Titel gingen unverändert aus dem Handel. "Seit mehr als einer Woche haben wir nur von der Bedeutung des Nvidia-Berichts und seinen Auswirkungen auf den Markt gehört. (...) Der am meisten gehypte Geschäftsbericht seit Wochen hat sich als Non-Event herausgestellt", urteilte Marktstratege Paul Hickey von Bespoke Investment Group. Nach positiven Drittquartalszahlen von Agilent Technologies hob das Unternehmen für analytische und klinische Labortechnologie den Umsatzausblick leicht an. Der Kurs legte um 5,3 Prozent zu. Urban Outfitters wird von den Importzöllen stärker getroffen als erwartet. Der Bekleidungseinzelhändler rechnet mit einem Rückgang der Bruttomarge in der zweiten Jahreshälfte. Die Quartalszahlen fielen zwar besser aus als erwartet, wurden aber von der Zollbelastung in den Hintergrund gedrängt. Die Aktie büsste 10,7 Prozent ein.
Asien
In engen Spannen uneinheitlich zeigen sich am Freitag die Börsen in Asien und Australien. Besonders deutlich nach oben geht es in Shenzhen mit 0,9 Prozent. Hongkong folgt mit plus 0,6 Prozent. Gewartet wird mit Spannung auf die Quartalszahlen von Alibaba.
Obligationen
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um 3 Basispunkte auf 4,21 Prozent. Volkswirte erwarteten, dass sich sowohl das Produktionswachstum als auch der Stellenaufbau in den kommenden Monaten verlangsamen werden.
Analyse
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