Von Nadine PEREIRA
Veröffentlicht am Tue, 20.01.2026 - 00:00
Die Zurich-Gruppe will das Geschäft mit Spezialversicherungen ausbauen. Der weltweit tätige Versicherer sieht in Bereichen wie Infrastruktur, erneuerbare Energien, Cyber oder Bauwesen grosses Potenzial und legt für den britischen Spezialversicherer Beazley eine Milliardenofferte vor. Am Montag hat Zurich für die Briten das Kaufangebot öffentlich gemacht, nachdem eine zuvor nur an den Beazley-Verwaltungsrat gerichtete Offerte als "klar unterbewertet" zurückgewiesen worden war. Nun richtet sich die Zurich mit dem aufgebesserten Angebot an alle Aktionärinnen und Aktionäre. Neu bietet die Zurich 1280 britische Pence je Beazley-Aktie, nachdem in der ersten Offerte an den Verwaltungsrat ein Preis in Höhe von 1230 Pence in bar in Aussicht gestellt worden war. Das neue Angebot hat einen Gesamtwert von knapp 7,8 Milliarden Pfund oder gut 10 Milliarden US-Dollar.
Die jüngsten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Europa haben am Montag auch den schweizerischen Aktienmarkt belastet. Der SMI verlor 1 Prozent auf 13.277 Punkte. Von den 20 SMI-Werten verzeichneten 19 Kursverluste. Als einziger SMI-Wert schloss die als defensiv geltende Swisscom-Aktie (+1,2%) im Plus. Umgesetzt wurden 16,08 (Vortag: 25,23) Millionen Aktien. Überdurchschnittlich hohe Abgaben verzeichneten Konjunkturzykliker wie ABB (-2,1%) oder Kühne + Nagel (-3,2%). Im Pharmasektor gaben Alcon 4,4 und Lonza 2,4 Prozent ab. Unternehmensspezifische Nachrichten gab es nicht. Die beiden Pharmariesen Novartis (kaum verändert) und Roche (-0,6%) hielten sich besser als der Markt. Der Kurs des Versicherers Zurich fiel um 0,6 Prozent, nachdem das Unternehmen Pläne zum Kauf des britischen Spezialversicherers Beazley öffentlich gemacht hatte. Die Analysten von Jefferies bezeichneten die strategische Logik der Übernahme als schlüssig und das Angebot als fair. Richemont verbilligten sich um 2,3 Prozent. Neben der Zollthematik belasteten enttäuschende chinesische Konjunkturdaten. Diese hatten Zweifel an der Nachfrage aus dem für die Luxusgüterbranche so wichtigen Absatzmarkt genährt. Swatch verloren 1,7 Prozent.
Europa
Die europäischen Aktienmärkte haben zu Beginn der neuen Woche deutliche Verluste verzeichnet. Vor allem die Aktien der exportorientierten Unternehmen kamen deutlicher unter Druck. "Und wieder sind es US-Zolldrohungen, die die Märkte erschüttern", sagte Vermögensverwalter Thomas Altmann von QC Partners. Hintergrund ist die Drohung von US-Präsident Trump, im Zuge der eskalierenden Spannungen um das zu Dänemark gehörende Grönland neue Handelszölle gegen acht europäische Länder zu verhängen. Der DAX fiel um 1,3 Prozent auf 24.959 Punkte, der Euro-Stoxx-50 büsste 1,7 Prozent auf 5.926 Punkte ein. Die Anleger wechselten schnell in den Risk-Off-Modus, auch da niemand weiss, wie es nach den von Europa geplanten Zöllen auf US-Waren mit einem Wert von 93 Milliarden Euro nun weitergeht. Mit Blick auf die zu erwartenden Zölle gehörte der Sektor der Automobilwerte mit Minus 2,3 Prozent zu den grössten Verlierern. Schwach waren hier BMW (-3,4%) nach einer Herunterstufung durch die Analysten von Berenberg auf Hold unterwegs. Aber auch Bauwerte, Technologiewerte wie auch die europäischen Banken wurden von Investoren gemieden. Der jüngste Zollvorstoss von Präsident Trump drohe das Umsatzwachstum und die Erträge im Luxussektor zu beeinträchtigen, meinte Marktstratege Neil Wilson bei der Saxo Bank. LVMH, Burberry, Hermes und Richemont tendierten leichter, da sich die Produktion vieler Juweliere und Modehäuser nur schwer an andere Standorte verlagern lasse. Auch die US-Umsätze seien schwer zu ersetzen, da viele der Marken in den vergangenen Jahren aufgrund des Erfolgs in den USA gut abgeschnitten hätten. Im Plus hielten sich dagegen die Rüstungswerte sowie der Telekom-Sektor. Grösster Gewinner im DAX war die Bayer-Aktie, die um 7 Prozent nach oben schoss. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vom Freitagabend, den Fall Durnell zu überprüfen, markiere einen Wendepunkt in der langwierigen Roundup-Rechtsstreitigkeit von Bayer und beseitige die grösste verfahrenstechnische Unsicherheit in Bezug auf die Strategie der bundesstaatlichen Vorrechte des Unternehmens, hiess es von MWB. Obwohl der Einzelfall finanziell unbedeutend sei, habe die Überprüfung durch das Gericht das Potenzial, das "Endspiel der Rechtsstreitigkeiten" für die verbleibenden rund 65.000 Ansprüche wesentlich zu verändern.
USA
Am Montag blieben die Börsen in den USA wegen des Feiertags Martin Luther King Day geschlossen.
Asien
Mehrheitlich mit Abgaben zeigen sich die asiatischen Aktienmärkte am Dienstag. Marktteilnehmer verweisen auf die zunehmenden Sorgen in Bezug auf Grönland. Besonders deutlich geht es für den Nikkei-225 in Tokio nach unten, der 1,1 Prozent verliert. Japans Premierministerin plant die Auflösung des Unterhauses am Freitag und hat Neuwahlen für den 8. Februar angesetzt - ein Schritt der erwartet worden war. Umfragen deuten darauf hin, dass die Premierministerin hohe Zustimmungsraten geniesst. Sollte das Wagnis aufgehen, würde es der Regierungspartei helfen, ihre politische Basis zurückzugewinnen, heisst es. Zuvor hatten Niederlagen infolge von Skandalen dazu geführt, dass die Partei ihre Mehrheit in nicht nur einem, sondern beiden Häusern des Parlaments verloren hatte.
Obligationen
Die US-Term-Prämie – also die zusätzliche Vergütung, die Anleger für das Halten von Anleihen mit längerer Laufzeit verlangen – erscheint zu niedrig, so Christopher Preece und Arun Sai von Pictet Asset Management in einer Mitteilung. Das Risiko besteht darin, dass ein politischer Fehler der USA zu einem Ausverkauf längerfristiger Staatsanleihen führt und die Renditen in die Höhe treibt, so Investmentmanager Preece und Senior-Stratege Sai. „Unser Basisszenario geht davon aus, dass die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen unter 5 % bleiben, aber höhere Renditen bleiben ein erhebliches Tail-Risiko", sagten sie.
Analyse
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