Von Nadine PEREIRA
Veröffentlicht am Thu, 22.01.2026 - 00:00
Als US-Präsident Donald Trump in Davos eintraf, befürchteten die europäischen Spitzenpolitiker, dass seine Bemühungen um den Erwerb Grönlands einen transatlantischen Flächenbrand auslösen könnten. Bei Sonnenuntergang hatte Trump bereits einen Rückzieher gemacht. Die Kehrtwende folgte auf tagelange Gespräche hinter den Kulissen zwischen Trump, seinen Beratern und europäischen Spitzenpolitikern, wie Personen aus dem Umfeld der Gespräche berichteten. Nach einem Treffen mit Rutte am Mittwoch sagte Trump die angedrohten Zölle gegen europäische Nationen ab. Er behauptete, er habe "den Rahmen für einen zukünftigen Deal" in Bezug auf die grösste Insel der Welt geschaffen. Die genauen Konturen dieses Rahmens stehen noch nicht fest, aber es wird erwartet, dass sich die Verhandlungen auf mehrere Bereiche konzentrieren. Dazu gehören ein mögliches US-Abkommen mit Dänemark über die Stationierung von Streitkräften auf Stützpunkten in Grönland und verstärkte europäische Bemühungen zur Erhöhung der Sicherheit rund um die Arktis. Die USA könnten das Recht bekommen, Investitionen in Grönlands Bodenschätze abzulehnen. Ein solches Veto zielt darauf ab, Russland und China daran zu hindern, die Bodenschätze Grönlands zu erschliessen.
Der schweizerische Aktienmarkt hat sich zur Wochenmitte stabilisiert. Der SMI verlor 0,1 Prozent auf 13.157 Punkte. Bei den 20 SMI-Werten standen sich zwölf Kursgewinner und acht -verlierer gegenüber. Umgesetzt wurden 20,54 (Vortag: 17,91) Millionen Aktien. Gebremst wurde der Index von Kursverlusten der Schwergewichte Nestle (-1,3%) und Roche (-0,4%). Bei Nestle belastete weiter der kürzlich erfolgte Rückruf von Säuglingsnahrung, die möglicherweise mit Bakterien belastet ist. Novartis schlossen gut behauptet. Die grössten Kursgewinne verzeichneten die Pharmawerte Alcon (+4%) und Lonza (+2,5%). Auch Konjunkturzykliker machten Boden gut. Amrize, Holcim und Sika verbesserten sich um bis zu 1 Prozent. Swiss Re verbilligten sich um 1,6 Prozent. Die Analysten von Goldman Sachs haben die Aktie des Rückversicherers auf "Sell" von "Neutral" abgestuft. Swiss Life (-1,2%) und Zurich (-2,4%) wurden ebenfalls verkauft. In der zweiten Reihe kletterten Barry Callebaut um 3,3 Prozent. Der Schokoladenhersteller hat den ehemaligen Unilever-CEO Hein Schumacher als neuen CEO verpflichtet. Daneben meldete Barry Callebaut auch einen Umsatzanstieg im ersten Geschäftsquartal.
Europa
Die europäischen Aktienmärkte haben am Mittwoch mit kleinen Verlusten geschlossen. Der DAX gab um 0,6 Prozent auf 24.561 Zähler nach, der Euro-Stoxx-50 verlor leicht auf 5.883 Punkte. Für einen kurzfristigen Abverkauf um die Mittagszeit sorgte die Nachricht, dass das Europäische Parlament das Mercosur-Abkommen nicht wie erwartet durchgewunken hat. Stattdessen soll es an den Europäischen Gerichtshof weitergeleitet werden. Dies könnte den erhofften Freihandel nicht nur um zwei Jahre verzögern, sondern ihn ganz zum Scheitern bringen. Mit Blick auf den für die EU so wichtigen freien Welthandel und den US-Protektionismus erntete diese Uneinigkeit in Brüssel Kopfschütteln an der Börse. Im DAX sprangen Qiagen um 4,9 Prozent auf 46,25 Euro. Die Analysten von Jefferies sahen bei Qiagen den Grund in einem Bloomberg-Bericht, wonach der Biopharmakonzern strategische Optionen - einschliesslich eines Verkaufs - prüft. Auch wenn sich das Unternehmen nicht dazu geäussert habe, falle der Zeitpunkt günstig aus - nach dem jüngsten Ausscheiden des CEO. Das Portfolio von Qiagen betrachten die Analysten als hochgradig differenziert und potenziell unterstützend für einen Übernahmepreis von rund 60 US-Dollar oder eben 51,20 Euro je Aktie. Daneben gab es erste Eckdaten zur Geschäftsentwicklung in 2025 von Traton (+6,1%) und Continental (-0,7%). "Anleger hatten schwächere Daten erwartet", so ein Marktteilnehmer mit Blick auf die Traton-Daten. Positiv hob er zum einen hervor, dass der Netto-Cashflow mit 1,643 Milliarden Euro oberhalb der Zielspanne von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro ausgefallen sei. Zum anderen habe aber auch die Marge nicht negativ überrascht.
USA
US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch an der Wall Street für Kauflaune im späten Handel gesorgt und die Kurse befeuert. Der Dow-Jones-Index, S&P-500 und Nasdaq-Composite erhöhte sich jeweils um rund 1,2 Prozent. Dabei wurden an der Nyse 2.176 (Dienstag: 611) Kursgewinner und 584 (2.168) - verlierer gesehen. Unverändert schlossen 76 (65) Titel. Daneben ging die Bilanzsaison in eine neue Runde. Die Aktien von Netflix fielen um 2,2 Prozent. Die Zahlen des Streaminganbieters hatten nicht in allen Punkten überzeugt. Zudem gebe es am Markt Befürchtungen, dass Netflix im Bieterwettkampf mit Paramount zu viel für Warner Bros. zahlen könnte. Leicht negativ wurden auch die Geschäftszahlen von Johnson & Johnson aufgenommen, obwohl das Unternehmen für das laufende Jahr einen Umsatz und ein Ergebnis über den Konsensschätzungen der Analysten in Aussicht stellte. Die Aktie gab 0,1 Prozent nach. Travelers gewannen 1,1 Prozent. Der Versicherer hatte im vierten Quartal besser abgeschnitten als erwartet und seine Aktienrückkäufe aufgestockt. Kraft Heinz fielen um 5,2 Prozent. Einer Mitteilung des Lebensmittelkonzerns an die US-Börsenaufsicht zufolge könnte Berkshire Hathaway ihre Beteilung an Kraft Heinz verringern. Das Aktienpaket ist derzeit etwa 7,8 Milliarden Dollar wert.
Asien
Zeichen der Entspannung im Grönland-Streit sorgen am Donnerstag an den asiatischen Aktienmärkten für teils kräftige Kursgewinne. Besonders deutlich fällt das Plus in Tokio aus, wo es für den Nikkei-225 um 2,0 Prozent nach oben geht. Der Kospi in Seoul legt um 1,2 Prozent zu und klettert im Verlauf erstmals über die Marke von 5.000 Punkten. Kaum bewegt zeigen sich dagegen die chinesischen Börsen in Schanghai und Hongkong.
Obligationen
Die Renditen von US-Staatsanleihen haben einen volatilen Handelstag mit Verlusten beendet und Händler verwiesen auf einen "Taco-Effekt", nachdem Trump von seiner Zoll-Androhung abgerückt ist. Wegen seines Zickzack-Kurses in der Handelspolitik hatte ein Journalist die Abkürzung "Taco" geprägt für "Trump always chicken out", übersetzt: Trump kneift immer. Die Rendite der zehnjährigen US-Benchmark-Anleihe fiel um 5 Basispunkte auf 4,248 Prozent.
Analyse
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