Von Nadine PEREIRA
Veröffentlicht am Wed, 08.04.2026 - 00:00
US-Präsident Donald Trump hat zugestimmt, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen unter der Bedingung der "sofortigen" Wiedereröffnung der Strasse von Hormus auszusetzen. Er verwies auf Fortschritte bei einem 10-Punkte-Vorschlag aus Teheran. "Basierend auf Gesprächen mit Premierminister Shehbaz Sharif und Feldmarschall Asim Munir aus Pakistan, in denen sie mich baten, die zerstörerische Kraft zurückzuhalten, die heute Nacht in den Iran geschickt werden sollte, und unter der Bedingung, dass die Islamische Republik Iran der VOLLSTÄNDIGEN, SOFORTIGEN und SICHEREN ÖFFNUNG der Strasse von Hormus zustimmt, erkläre ich mich bereit, die Bombardierung und den Angriff auf den Iran für einen Zeitraum von zwei Wochen auszusetzen", schrieb Trump auf seiner Social-Media-Plattform. Die US-Futures ziehen daraufhin kräftig an, und an den asiatischen Börsen geht es teils steil nach oben. Die Ölpreise sackten zweistellig ab. Der US-Dollar zeigt sich auf breiter Front schwach. Mit einer kräftigen Rally werden Europas Börsen am Mittwochmorgen erwartet.
Der schweizerische Aktienmarkt hat nach der langen Osterpause am Dienstag nach einem äusserst volatilen Handel am Ende mit klaren Abgaben geschlossen - im Gefolge gestiegener Ölpreise. Der SMI verlor 1,5 Prozent auf 12.790 Punkte. Nach neuen US-Zolldrohungen gegen Medikamente sanken die Pharmatitel Roche und Novartis um 2,1 bzw. 2,8 Prozent. Begünstigt von starken Geschäftszahlen des Elektronikkonzerns Samsung Electronics in Südkorea hielten sich Logitech gegen den Markttrend mit einem Abschlag von nur 0,3 Prozent. Unter den Technmologiewerten stiegen AMS Osram um 0,2 Prozent. Ems-Chemie (-1,3%) legte durchwachsene Geschäftszahlen vor. Implenia hielten sich lange im Plus, schlossen dann aber 0,8 Prozent tiefer. Der Baukonzern hatte einen Auftrag im Umfang von über 200 Millionen Euro in Deutschland verbucht.
Europa
Mit deutlichen Minuszeichen haben die europäischen Aktienmärkte den Handel am Dienstag beendet. Im Vorfeld des Endes des US-Ultimatums herrschte erhöhte Vorsicht. Der DAX verlor 1,1 Prozent auf 22.922 Punkte, der Euro-Stoxx-50 fiel ebenfalls um 1,1 Prozent auf 5.633 Punkte. Der Preis für Brent-Rohöl notierte im Tagesverlauf relativ unbewegt unter 111 Dollar je Barrel. Bei den grossen Fluggesellschaften wie Lufthansa, IAG und Air France-KLM gab es Verluste bis zu 1,9 Prozent. Bei Tui ging es 2,2 Prozent tiefer, da hier auch Kreuzfahrschiffe im Nahen Osten festhängen. Düngemittelhersteller konnten indes kräftig profitieren. So ging es für Yara um 6,4 Prozent nach oben, was auch K+S um 4,8 Prozent mitzog. Beide werden als Profiteure von steigenden Düngerpreisen gesehen. Yara wurden zudem befeuert durch eine Kaufempfehlung von Pareto. Die Gewinnprognosen für die kommenden Jahre haben sie in der Spitze um bis zu 75 Prozent erhöht. Im DAX zeigten sich keine klaren Konjunkturmuster: Während BASF um 1,9 Prozent zulegten, gaben Heidelberg Materials um 4,1 Prozent nach. Defensive Werte wie Telekom und Deutsche Börse zeigten sich mit kleinen Pluszeichen. Die Auto-Werte Mercedes-Benz, VW und BMW gingen mit Abschlägen von bis zu 1,6 Prozent aus dem Handel. Deutliche Kursverluste gab es bei Rüstungsunternehmen. Hier belastete der Kurseinbruch von Italiens Leonardo um 8,1 Prozent. Sie litten unter Medienberichten, wonach CEO Roberto Cingolani ersetzt werden solle. So fielen Rheinmetall und Hensoldt um bis zu 2,8 Prozent. Für die Aktie von Universal Music Group (UMG) ging es um 11,4 Prozent nach oben nach einem Gebot der Investment-Gesellschaft Pershing Square Capital von Bill Ackman. Es soll UMG mit über 55 Milliarden Euro bewerten. Das neue Unternehmen soll dann in den USA gelistet werden. Von dem Kursplus profitierten zudem die Aktien der Grossaktionäre; so legten Bolloré um 3,8 Prozent und Vivendi um 9,1 Prozent zu. Gesucht waren die Aktien der europäischen Satelliten-Betreiber. Eutelsat sprangen in Paris um 5,7 Prozent nach oben und zogen OHB um 1,1 Prozent mit. Kurstreiber ist die Aussicht auf eine Zusammenarbeit von Eutelsat mit der indischen Raumfahrtbehörde ISRO. Dies könnte die Abhängigkeit der Franzosen von der US-amerikanischen SpaceX reduzieren.
USA
Die Wall Street hat sich am Dienstag im späten Geschäft deutlich erholt, der breite Markt schaffte den Sprung ins Plus. Unter den Einzelwerten ging es für die Aktien des Krankenversicherers Humana 7,9 Prozent nach oben. Die US-Regierung hatte die Vergütungssätze für private Krankenversicherungen deutlich stärker angehoben hat als gedacht. Die Papiere von UnitedHealth stiegen um 9,4 Prozent, CVS Health rückten um 6,7 Prozent vor. Apple sanken um 2,1 Prozent, das lang erwartete faltbare Mobiltelefon des iPhone-Herstellers stiess laut Nikkei Asia auf technische Hürden und es könnte zu Lieferverzögerungen kommen. Broadcom legten um 6,2 Prozent zu. Aus einer Mitteilung ging hervor, dass der Chiphersteller seine Zusammenarbeit mit Alphabet (+2,1%) bis 2031 verlängert hat. Elon Musk kooperiert mit Intel (+4,2%) bei dem ehrgeizigen Terafab-Projekt. Arm rutschten um 3,3 Prozent ab - Morgan Stanley hatte die Aktie abgestuft. Kreuzfahrtaktien fielen auf breiter Front wegen geschwundener Hoffnungen auf ein rasches Kriegsende: Norwegian Cruise Line, Carnival und Royal Caribbean gaben um bis zu 3,3 Prozent ab. Die Aktien von Casey's General Store verloren 0,8 Prozent, obwohl sie mit Handelsbeginn am 9. April in den S&P-500 aufgenommen werden. Sie ersetzen dort die Aktien von Hologic, die infolge der Übernahme durch Blackstone und TPG Global aus dem Index herausgenommen werden.
Asien
Mit einer Rally reagieren die Aktienmärkte in Ostasien am Mittwoch darauf, dass US-Präsident Trump zugestimmt hat, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen unter der Bedingung der "sofortigen" Wiedereröffnung der Strasse von Hormus auszusetzen. In Tokio geht es für den Topix um 3,3 Prozent nach oben, am stärksten erholt sich die Börse in Seoul, der südkoreanische KOSPI gilt als besonders technologielastig. Er macht einen Satz um 6,8 Prozent. In Hongkong gewinnt der HSI 2,9 Prozent, der Composite in Shanghai legt um knapp 2 Prozent zu. In Sydney zieht der S&P/ASX-200 um 2,7 Prozent an. Unter den Einzelwerten aus dem Technologiebereich machen in Seoul Samsung und SK Hynix Kurssprünge um 7,1 bzw. 11,4 Prozent. Hier wirken zusätzlich starke Quartalszahlen von Samsung vom Vortag nach. In Tokio geht es für die Halbleiteraktie Advantest um 11,5 Prozent nach oben, für die Aktie des Technologieinvestors Softbank um 7,8 Prozent. Zu den Verlierern gehören in der gesamten Region wegen der sinkenden Ölpreise Aktien aus dem Energiesektor. In Tokio geben Inpex um 6,0 Prozent nach, in Hongkong CNOOC um 6,9 Prozent und in Sydney Woodside Energy um 11,4 Prozent.
Obligationen
Am US-Rentenmarkt drehten die Renditen parallel zu den Ölpreisen ins Minus. So sank die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen um 2 Basispunkte auf 4,31%. Die Auswirkungen hoher Energiepreise dürften sich jedoch voraussichtlich in den US-Inflationsdaten für März, die am Freitag veröffentlicht werden, zeigen, so die Strategen von Blackrock.
Analyse
Kursziel SGS: Goldman Sachs senkt auf 97 (98) CHF - Neutral
Kursziel Geberit: Goldman Sachs senkt auf 619 (657) CHF - Buy
Kursziel Sika: Barclays senkt auf 150 (170) CHF - Equal Weight
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