Von Ludovica SCOTTO DI PERTA
Veröffentlicht am Fri, 17.04.2026 - 00:00
Der US-Streamingdienst Netflix hat mit seinem Ergebnis und Umsatz für das erste Quartal zwar die Analystenerwartungen übertroffen, mit dem Ausblick für das laufende Quartal allerdings enttäuscht. Zudem wird Mitbegründer und Chairman Reed Hastings zurücktreten, um sich "seiner Philanthropie und anderen Bestrebungen zu widmen". Im nachbörslichen Handel verlor die Netflix-Aktie 8 Prozent. Netflix verdiente im ersten Quartal 1,23 (Vorjahr: 0,66) US-Dollar je Aktie bei einem Umsatzplus von 16 Prozent auf 12,25 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Facset-Konsens mit einem Gewinn von 0,76 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 12,18 Milliarden Dollar gerechnet. Der Gewinn von Netflix im ersten Quartal erhielt einen kräftigen Schub durch eine Abfindungszahlung von 2,8 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit der abgesagten Übernahme der Streaming- und Studio-Assets des Rivalen Warner Bros. Discovery. Paramount Skydance hatte den Bieterstreit um Warner Ende Februar gewonnen.
Mit erneuten Abgaben hat der schweizerische Aktienmarkt gestern den Handel beendet. Der SMI reduzierte sich um 0,4 Prozent auf 13.173 Punkte und schloss damit nur knapp über seinem Tagestief. Bei den 20 SMI-Werten standen sich 12 Kursverlierer und 8 -gewinner gegenüber. Umgesetzt wurden 17,49 (zuvor: 19,88) Millionen Aktien. Leicht bremsend wirkten auch die Kursverluste der Index-Schwergewichte Novartis und Roche, für die es um 1,0 bzw. 0,8 Prozent nach unten ging. Roche übernimmt das US-Unternehmen Saga Diagnostics für bis zu 595 Millionen US-Dollar. Mit der Transaktion soll das Testportfolio der unabhängigen Roche-Tochtergesellschaft Foundation Medicine erweitert werden. Die Nestlé-Aktie stieg dagegen um 0,3 Prozent. Bei den Einzelwerten gewannen Docmorris 10,6 Prozent. Am breiteren Markt gaben die Aktien von Barry Callebaut deutlich um 15.5 Prozent nach. Der weltgrösste Schokoladehersteller verzeichnete im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres einen Ergebnisrückgang. Laut dem neuen Vorstandsvorsitzenden Hein Schumacher, der auf strukturelle Probleme verweist, dürften der Rückgang der Kakaopreise und ein Konjunkturprogramm das zukünftige Wachstum jedoch stützen.
Europa
Uneinheitlich haben sich die europäischen Aktienmärkte am Donnerstag aus dem Handel verabschiedet. Etwas höhere Gewinne im Verlauf wurden wieder abgegeben. "Die Anleger in Frankfurt mussten heute mit etwas Enttäuschung den neuen Kursrekorden in New York und Tokio hinterherschauen", sagte CMC-Chefstratege Andreas Lipkow. Die positive Stimmung gegenüber Tech-Unternehmen kann sich derzeit nur an Asiens Börsen und New York spiegeln. Für gute Laune im Sektor sorgten unter anderem starke Zahlen von Taiwan Semiconductor. Während der S&P-500 am Vortag einen neuen Rekordstand markierte, liegt der DAX noch fast 1.500 Punkte unter dem im Januar markierten Allzeithoch von 25.507 Punkten. Der DAX kletterte um 0,4 Prozent auf 24.154 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gab dagegen um 0,1 Prozent auf 5.933 Punkte nach. Immer stärker bestimmte aber die Berichtssaison die Nachrichtenlage und bewegte ganze Branchen: Airbus hat vor der Veröffentlichung seiner Ergebnisse für das erste Quartal 2026 zurückhaltende Kommentare zu den Margen und zum freien Cashflow (FCF) abgegeben, meinte RBC. Der Markt hatte aber nichts anderes erwartet, die Aktien legten um 0,1 Prozent zu. Bei Easyjet ging es um 5 Prozent abwärts. Der Billigflieger rechnet im ersten Halbjahr mit einem rund 40 Prozent höheren Vorsteuerverlust als im Vorjahr. Victoria Scholar von Interactive Investor sieht die Airline zwei Belastungen ausgesetzt: der schwächeren Nachfrage infolge weltweiter Reiseunterbrechungen im März und höhere Kosten aufgrund steigender Kerosinpreise. Dazu hat die Deutsche Bank nach den Zahlen ihr "Sell" bestätigt. Bei Lufthansa nahm der Druck wegen der dauernden Streiks zu. Die Airline will nun sogar ihren Zubringerflieger Cityline einstellen. Händler fürchten dahinter Signale für eine Eskalation. Die Aktien fielen um 3,4 Prozent. Bei Ryanair ging es sogar 6,4 Prozent nach unten, bei Air France-KLM um 4,1 Prozent. Tui und IAG fielen um bis zu 1,9 Prozent.
USA
Die US-Börsen haben sich am Donnerstag etwas fester gezeigt. Die Vereinbarung auf eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon sorgte bei Anlegern für vorsichtigen Optimismus. Der Dow-Jones-Index gewann 0,2 Prozent auf 48.579 Punkte, der S&P-500 sah ein Plus von 0,3 Prozent und der Nasdaq-Composite stieg um 0,4 Prozent. Den 1.363 (Mittwoch: 1.483) Kursgewinnern an der Nyse standen 1.351 (1.236) verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 96 (95) Titel. Die als "Magnificent Seven" bekannten grossen Tech-Aktien notierten grösstenteils im Minus, wobei Tesla mit einem Minus von 0,8 Prozent und Apple (-1,1 Prozent) die deutlichsten Verluste verzeichneten. Die Massnahmen zur Neuausrichtung der Snack-Sparte haben sich für Pepsico ausgezahlt. Der US-Konzern steigerte im ersten Quartal Gewinn und Umsatz stärker als erwartet und bekräftigte den Ausblick. Die Aktie gewann 2,3 Prozent. Der Versicherer Travelers hatte zwar für das erste Quartal einen höheren Gewinn gemeldet, allerdings zeigten sich Anleger bei der Dividende etwas enttäuscht. Der Aktienkurs reduzierte sich um 0,2 Prozent. Abbott Laboratories hatte den Ergebnisausblick für das Gesamtjahr gesenkt, um einer jüngsten Übernahme Rechnung zu tragen. Der Kurs von Abbott rutschte um 6 Prozent ab. J.B. Hunt Transport Services (+6,3 Prozent) hatte im ersten Quartal, gestützt durch höhere Umsätze im Intermodalgeschäft, einen höheren Umsatz und Gewinn verbucht. Nach US-Börsenschluss folgen unter anderem noch Netflix und Alcoa.
Asien
Nach den teils kräftigen Aufschlägen an den Vortagen geht es am Freitag an den Börsen in Ostasien mit den Indizes etwas nach unten - trotz leicht positiver Vorgaben der Wall Street. In Tokio büsst der Topix 0,9 Prozent ein, in Seoul der Kospi 0,4 Prozent. Beide Indizes liegen damit weiter nah an ihren Rekordhochs. Der HSI in Hongkong fällt um 1,3 Prozent, der Shanghai-Composite um 0,3 Prozent. In Sydney kommt das Marktbarometer S&P/ASX-200 um 0,3 Prozent zurück.
Obligationen
Die Renditen am US-Anleihemarkt zogen zum Handelsende etwas an und die Zehnjahresrendite kletterte um 3 Basispunkte auf 4,31 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen dürfte kaum über 4,5 Prozent steigen, meinte Chip Hughey von Truist.
Analyse
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