Von Ludovica SCOTTO DI PERTA
Veröffentlicht am Fri, 15.05.2026 - 00:00
Ein fulminantes Börsendebüt feierte die Aktie des KI-Chipherstellers Cerebras. Der erste Kurs war mit 350 Dollar fast doppelt so hoch wie der Ausgabekurs, der mit 185 Dollar schon deutlich über den Erwartungen des Markts gelegen hatte. Zum Handelsschluss notierte die Aktie 68 Prozent höher bei 312,66 Dollar. Das IPO war stark überzeichnet, so dass viele Interessenten gezwungen waren, die Aktie an der Börse zu kaufen. Cerebras gilt als Nvidia-Konkurrent. Der Börsengang von Cerebras Systems ist wahrscheinlich nur der erste von vielen grossen, mit Spannung erwarteten Börsendebüts in diesem Jahr. OpenAI und Anthropic streben beide Börsengänge in der zweiten Jahreshälfte an. Zudem peilt SpaceX, das kürzlich xAI, den Hersteller des Grok-Chatbots, übernommen hat, einen Börsengang im Juni an.
Am schweizerischen Aktienmarkt hatte sich am Mittwoch eine positive Stimmung durchgesetzt. Der SMI gewann 0,8 Prozent auf 13.218 Punkte. Angeführt wurde der SMI von den Aktien des Versicherers Zurich Insurance, die um 4,1 Prozent zulegten. Die Zahlen zum ersten Quartal hatten überzeugt. Gesucht waren auch ABB, die um 2,1 Prozent zulegten. Die Aktie habe positive Impulse vom deutschen Wettbewerber Siemens erhalten, hiess es aus dem Handel. Dessen Zahlen seien zwar durchwachsen ausgefallen, doch stimme der Auftragseingang optimistisch. Holcim gewannen am Tag der Hauptversammlung 1,1 Prozent. Technologiewerte profitierten von der Hoffnung auf eine Einigung im US-chinesischen Handelsstreit. Logitech verbesserten sich um 1,5 Prozent und Ams-Osram um 7,9 Prozent. Schwächster Wert im SMI waren Givaudan, die um 2,9 Prozent fielen. Im Handel hiess es, die Analysten von Kepler hätten die Titel auf "Hold" von "Buy" abgestuft. In der zweiten Reihe sackten die Aktien des Personaldienstleisters Adecco um 16,7 Prozent ab, nachdem die Erstquartalszahlen nicht in allen Punkten überzeugt hatten.
Europa
Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag ihren Anstieg fortgesetzt. Während in Deutschland und an den meisten anderen Börsen gehandelt wurde, blieben in Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und der Schweiz die Börsen wegen des Christi-Himmelfahrt-Feiertags allerdings geschlossen. Der DAX legte bei vergleichsweise dünnen Umsätzen 1,3 Prozent auf 24.456 Punkte zu, der Euro-Stoxx-50 schloss ebenfalls 1,3 Prozent höher. Diverse Aktien wurden am Berichtstag ex Dividende gehandelt, unter anderem Aixtron, BMW, Deutsche Börse, Deutz, Freenet, Heidelberg Materials und in London BP, GSK und HSBC. Im Technologiesegment gewannen STMicro, Infineon, Aixtron oder BE Semiconductor bis zu 7,2 Prozent. Stark unter Druck stand in London die Burberry-Aktie. Sie verlor 6,7 Prozent, trotz besser als erwartet ausgefallener Quartalszahlen. Der Luxuswarenhersteller warnte aber auch, dass der Krieg eine Bedrohung für die erwartete Erholung darstelle. Sowohl Touristen aus dem Nahen Osten als auch aus Asien seien zurückhaltender beim Reisen geworden. Telefonica verteuerten sich in Madrid um 5,8 Prozent. Das Unternehmen ist auf Kurs seine Erwartungen für das Gesamtjahr zu erfüllen. Umsatz und operatives Ergebnis übertrafen jeweils die Erwartungen knapp. Den Ausblick hat der spanische Telekommunikationskonzern bestätigt. Im DAX legten Siemens um 2,6 Prozent zu. Der Industriekonzern verstärkt sein Bahntechnologieportfolio durch die Übernahme mehrerer Kerngeschäfte der italienischen Bahntechnikfirma Mermec.
USA
Am Donnerstag ist es an den US-Börsen weiter nach oben gegangen auf neue Rekordstände. Der Dow-Jones-Index eroberte die Marke von 50.000 Punkten zurück und schloss 0,8 Prozent höher bei 50.063 Punkten. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite gewannen 0,8 und 0,9 Prozent. Ein Kursfeuerwerk erlebte die Aktie von Cisco Systems, nachdem der Netzwerkausrüster mit Umsatz und Ergebnis im jüngsten Quartal die Erwartungen übertroffen und die Prognosen erhöht hatte. Der Kurs schoss um 13,4 Prozent nach oben. Uneinheitlich ging es bei den zuletzt stark gesuchten Halbleiteraktien zu. Die Aktie der KI-Ikone Nvidia stieg um 4,4 Prozent auf ein neues Rekordniveau. AMD (+0,9%) und Intel (-3,7%) hinkten hinterher. Bei Nvidia stützte, dass die USA rund zehn chinesischen Unternehmen den Kauf von H200-Chips genehmigen, darunter Alibaba, Bytedance und Tencent. Auch einige Distributoren wie Lenovo und Foxconn erhalten die US-Zulassung für den Erwerb der Nvidia-Chips. Doximity knickten um 23 Prozent ein. Die digitale Plattform für US-Gesundheitsfachkräfte verzeichnete im vierten Geschäftsquartal einen geringeren Gewinn aufgrund gestiegener Betriebskosten und verfehlte auch die Erwartung des Marktes. StubHub erzielte im ersten Quartal bei einem anziehenden Umsatz einen Gewinn. Laut dem Unternehmenschef sind die Trends im Bereich Live-Veranstaltungen und im Zweitmarkt für Tickets weiterhin gesund, mit starker Verbrauchernachfrage und einem robusten Veranstaltungskalender. Für den Kurs ging es darauf um 13,50 Prozent nach oben.
Asien
Ernüchterung über den US-chinesischen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Gegenpart Xi Jinping lassen die Aktien an den asiatischen Märkten am Freitag nach unten abdrehen. In Tokio verliert der Nikkei-225 rund 1,6 Prozent auf 61.647 Punkte, in Seoul sackt der stark technologielastige Kospi nach Anfangsgwinnen sogar um 4,9 Prozent ab. Die Kurse der beiden Technologieschwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix rutschen je um über 6 Prozent ab. In Hongkong büsst der HSI 0,9 Prozent ein. Der Shanghai-Composite hält sich dagegen knapp im Plus.
Obligationen
Am US-Rentenmarkt zeigte sich die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen wenig verändert bei 2,48%, nachdem die Importpreise für eine fortgesetzt straffe Geldpolitik der US-Notenbank gesprochen hatten. Am späten Mittwoch war der Trump-Kandidat Kevin Warsh mit eher knapper Mehrheit vom Senat als neuer Vorsitzender der US-Notenbank bestätigt worden.
Analyse
Baader erhöht AMS-Osram auf Reduce (Sell) - Ziel 21,40 CHF
RBC erhöht Swatch auf Sectorperform (Underperform) - Ziel 220 (160) CHF
Berenberg erhöht Dätwyler-Ziel auf 167 (143) CHF - Hold
Erstellt von MBI Martin Brückner Infosource GmbH & Co. KG im Auftrag von Swissquote. Alle Informationen wurden mit journalistischer Sorgfalt erarbeitet. Für Verzögerungen und Irrtümer wird keine Haftung übernommen.