Von Ludovica SCOTTO DI PERTA
Veröffentlicht am Fri, 22.05.2026 - 00:00
Erstmals seit 2022 tankten Walmart-Kunden an den Tankstellen des Konzerns im Durchschnitt weniger als 10 Gallonen pro Besuch. "Das ist ein Anzeichen für Stress", sagte Finanzvorstand John David Rainey in einem Interview. "Der Durchschnittsverbraucher ist einigermassen gesund, aber wenn man genauer hinsieht, ist der Druck ungleichmässig verteilt." Der Einzelhändler meldete am Donnerstag ein starkes Umsatzwachstum im letzten Quartal und merkte an, dass steigende Kraftstoffpreise mehr klamme Kunden mit niedrigem Einkommen anziehen könnten. In diesem Umfeld plane Walmart, die Preise niedrig zu halten, um Marktanteile zu gewinnen, könne die Preise aber später anheben, wenn die Kraftstoffkosten hoch blieben, sagte er. Das Unternehmen liess zudem seine Finanzerwartungen für den Rest des Jahres weitgehend unverändert. Das war eine Enttäuschung für einige Anleger, die die Aktie in der Sitzung am Donnerstag stark nach unten schickten. Das Unternehmen teilte mit, dass höhere Steuerrückerstattungen an die Kunden im letzten Quartal die Auswirkungen der höheren Kraftstoffkosten auf die Ergebnisse wahrscheinlich abgemildert hätten.
Am Schweizer Aktienmarkt hat sich am Donnerstag eine freundliche Tendenz durchgesetzt. Der SMI legte um 0,4 Prozent auf 13.446 Punkte zu und reihte sich damit in der europäischen Tageswertung weit oben ein. Bei den 20 SMI-Werten standen sich 15 Kursgewinner und 5 -verlierer gegenüber. Umgesetzt wurden 20,42 (Mittwoch: 21,93) Millionen Aktien. Am Vortag war der SMI noch hinterhergehinkt, weil die wenig zyklischen Indexschwergewichte wie Nestle, Roche und Novartis gebremst hatten. Am Donnerstag stabilisierten sie den Index mit Kursgewinnen von 0,5 bis 0,9 Prozent angesichts von Meldungen zum Nahost-Konflikt, konkret den Atomprogrammplänen des Iran, die Hoffnungen auf einen baldigen Frieden eher dämpften. Entsprechend zogen die Ölpreise auch wieder an und heizten Inflationssorgen an. Grösster Verlierer waren Swiss Re. Der Kurs des Rückversicherers sackte um 3,2 Prozent ab, nachdem die Analysten der UBS die Aktie auf Verkaufen von zuvor Neutral abgestuft hatten. Die jüngsten Quartalsberichte deuteten auf eine eher unterdurchschnittliche Kapitalrendite im Neugeschäft des laufenden Zyklus hin, so die Begründung. Dazu rechnen die Experten mit einer schwachen Erneuerungsrunde.
Europa
Nachdem es an den europäischen Aktienmärkten am Donnerstag zunächst nach einem freundlichen Handelstag aussah, haben die Indizes zur Mittagszeit ins Minus gedreht. Der DAX verlor 0,5 Prozent auf 24.607 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gab um 0,3 Prozent nach. Einmal mehr waren es die Nachrichten rund um den Nahostkonflikt, die belasteten. Während die Waffenruhe weiter hält, ist ein Ende des Krieges weiter nicht in Sicht. Schlusslicht im DAX waren Airbus mit einem Minus von 4,8 Prozent. Im Handel war von Auslieferungsproblemen als Belastungsfaktor zu hören. Laut einem Bericht soll der Flugzeughersteller Kunden über absehbare Auslieferungsverzögerungen beim Modell A350 informiert haben. Assicurazioni Generali verbuchte im ersten Quartal zwar einen Rückgang des Nettogewinns, weil die die Marktvolatilität den Wert der Anlagen des Versicherers belastete, der Betriebsgewinn überstieg die Schätzungen der Analysten aber. Zugleich verzeichnete Generali ein Wachstum der Beitragseinnahmen. Der Kurs stieg um 2,7 Prozent.
USA
Die US-Börsen zeigen sich am Donnerstag nach den kräftigen Gewinnen am Mittwoch etwas leichter. Der Dow-Jones-Index liegt zur Mittagszeit in New York 0,2 Prozent zurück, der S&P-500 kommt um 0,3 Prozent zurück, die Nasdaq-Indizes um 0,4 Prozent. Die stärker als erwartet ausgefallenen Erstquartalszahlen von Nvidia verpuffen etwas, auch nachdem der Markt hier am Vortag schon Vorschusslorbeeren verteilt hatte. Die KI-Ikone berichtete erneut Rekordzahlen, die die Erwartungen teils deutlich übertrafen. Auch der Ausblick überrascht positiv. Wie bei vorangegangenen Datenveröffentlichungen findet der Markt aber auch nun wieder ein Haar in der Suppe. Unter anderem heisst es, der genehmigte Aktienrückkauf im Volumen von 80 Milliarden Dollar lasse vermuten, dass Nvidia die Ideen für neue Investitionen ausgingen. Dazu gibt es teils Kritik an der Umsatzverteilung. Die Nvidia-Aktie gibt nah an ihrem Rekordhoch um 1,8 Prozent nach. Aktien von Quantencomputing-Unternehmen ziehen sprunghaft an, nachdem das US-Handelsministerium bestätigt hat, dass fast einem Dutzend Unternehmen Fördermittel gewährt werden sollen. Im Rahmen dessen kündigte IBM an, ein neues Unternehmen namens Anderon zu gründen, "Amerikas erste reine Quantum-Fabrik". IBM steigen um 7,4 Prozent. IonQ verteuern sich um 12,4, Rigetti Computing um 25,4 und D-Wave Quantum um 25,6 Prozent. Intuit stürzen um gut 20 Prozent ab. Der Entwickler von Finanzsoftware hat seine Prognosen für Umsatz und Gewinn angehoben, aber auch den Abbau von 17 Prozent der Stellen angekündigt. Intuit will den Fokus stärker auf KI-gestützte Finanzsoftware legen und erwartet Restrukturierungskosten von 300 bis 340 Millionen Dollar. Für Gesprächsstoff sorgen derweil die sich konkretisierenden Börsengänge von SpaceX und OpenAI. Das Raumfahrt- und KI-Unternehmen SpaceX von Elon Musk hat die Unterlagen für den geplanten Börsengang nun eingereicht. Der Börsengang könnte das Unternehmen laut Analysten mit 1,75 bis 2 Billionen Dollar bewerten.
Asien
Überwiegend im Plus zeigen sich die Börsen in Ostasien und Australien am Freitag. In Tokio rückt der Topix um 1,0 Prozent vor. Mit Erleichterung wird dort aufgenommen, dass die japanischen Verbraucherpreise im April weniger stark gestiegen sind als von Volkswirten prognostiziert, wenngleich dies die Bank of Japan nach Meinung von Beobachtern nicht davon abhalten wird, die Zinsen zu erhöhen.
Obligationen
Die Renditen am US-Anleihemarkt steigen. Im Zehnjahresbereich geht es um 3 Basispunkte auf 4,60 Prozent nach oben.
Analyse
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