Von Nadine PEREIRA
Veröffentlicht am Tue, 02.06.2026 - 00:00
Der KI-Entwickler Anthropic geht den ersten formalen Schritt in Richtung Börsengang. Bei der US-Börsenaufsicht SEC sei vertraulich der Entwurf des Registrierungsdokuments (Formular S-1) für das geplante IPO eingereicht worden, erklärte Anthropic in einem Blog-Beitrag. Der KI-Konzern kommt derzeit auf eine Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar. Sofern alles wie geplant verläuft, könnte die Gesellschaft eventuell schon im Herbst an die Börse gehen, laut Anthropic hängt dies allerdings von den Marktbedingungen und "weiteren Faktoren" ab. Es könnte ein Rekordjahr für Börsengänge werden, denn Elon Musks SpaceX bereitet sich darauf vor, kommende Woche den voraussichtlich grössten Börsengang aller Zeiten durchzuführen. Das Wall Street Journal berichtete im vergangenen Monat, dass Anthropics wichtigster Konkurrent OpenAI kurz davor stehe, ebenfalls einen IPO-Antrag einzureichen. Anthropic hat sich nach einer Phase atemberaubenden Wachstums zuletzt als einer der Spitzenreiter im KI-Wettlauf etabliert. Das Unternehmen wurde 2021 von einer Gruppe ehemaliger OpenAI-Mitarbeitender gegründet und galt einst als kämpferischer Aussenseiter, bei dem Investoren unsicher waren, ob er am Hersteller von ChatGPT vorbeiziehen könne. Das änderte sich mit der Veröffentlichung erfolgreicher Produkte wie dem KI-Coding-Tool Claude Code, das im Silicon Valley viral ging und Anthropic half, sich als ernstzunehmender Konkurrent von OpenAI zu positionieren.
Der schweizerische Aktienmarkt hat am Montag belastet von den drei defensiven Schwergewichten sehr schwach geschlossen. Da trotz eines militärischen Schlagabtausches zwischen den USA und dem Iran am Wochenende die ganz grosse Eskalation im Nahen Osten ausgeblieben war, mieden Investoren die vermeintlich sicheren Häfen wie Nestle (-1,8%), Roche (-3,5%) und Novartis (-3,3%). Gleichwohl wurden die europäischen Börsen durch einen Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim belastet, wonach der Iran aus Protest gegen die israelischen Angriffe im Libanon die Gespräche mit den USA aussetzte. "Die Bereitschaft ins Risiko zu gehen, dürfte diese Woche wieder sehr gering sein", sagte ein Händler. Der SMI verlor 1,8 Prozent auf 13.305 Punkte. Unter den 20 SMI-Werten standen sich 17 Kursverlierer und drei -gewinner gegenüber. Umgesetzt wurden 21,96 (zuvor: 49,96) Millionen Aktien. Novartis wird auf einem Kongress in London ab Mittwoch neue Daten ihres Immunologie-Portfolios präsentieren.
Europa
Der europäische Aktienmarkt ist mit Verlusten in die neue Woche gestartet. Der DAX verlor 0,4 Prozent auf 25.003 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,3 Prozent nach unten. Nach der jüngsten Entspannung stiegen auch die Renditen an den Anleihemärkten wieder kräftig. Das setzte Immobilienaktien unter Druck: So verloren Vonovia 2 Prozent oder TAG Immobilien 3,5 Prozent. "Die Bereitschaft ins Risiko zu gehen, dürfte diese Woche wieder sehr gering sein", sagte ein Händler. Denn mit dem Feiertag am Donnerstag und Brückentag danach sei die Woche für viele Marktteilnehmer bereits am Mittwoch vorbei. Delivery Hero schlossen 1,9 Prozent fester bei 37,67 Euro. Laut einem Bericht der "FT" soll Prosus andere Anteilseigner des Lieferdienstes wegen des Kaufs von Anteilen kontaktiert haben. Damit könnte Uber, die 33 Euro je Delivery Aktie geboten hatten und 37 Prozent der Anteile halten bzw. kontrollieren, Konkurrenz erwachsen. Laut Medienberichten sollen verschiedene Grossaktionäre von Delivery Hero bis zu 40 Euro je Anteilsschein gefordert haben. Um 10 Prozent sprangen die Titel der Billigfluglinie Easyjet nach oben. Die Investmentgesellschaft Castlelake hatte bestätigt, in frühen Gesprächen über ein Angebot für die Airline zu sein. Die Analysten von RBC hoben hervor, der Investor habe nach britischem Recht nun bis zum 26. Juni Zeit, ein Angebot vorzulegen.
USA
Die Nahost-Schlagzeilen haben am Montag einmal mehr den Handel an der Wall Street bestimmt. Nachdem sich beide Kriegsparteien USA und Iran am Wochenende neue Scharmützel geliefert hatten, lastete ein Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim auf der Stimmung: Laut diesem hatte der Iran aus Protest gegen die israelischen Angriffe im Libanon die Gespräche mit den USA ausgesetzt. Doch dann beruhigte US-Präsident Donald Trump die Gemüter, denn er teilte mit, dass Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah zugestimmt hätten, die Kampfhandlungen einzustellen — die Gespräche mit dem Iran liefen wieder an. Im Anschluss erholten sich die US-Börsen von den Tagestiefs und markierten Allzeithochs. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,1 Prozent auf 51.079 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite gewannen 0,3 bzw. 0,4 Prozent. Nach ersten Zählungen gab es an der Nyse 1.328 (Freitag: 1.160) Kursgewinner und 1.451 (1.614) Kursverlierer. Unverändert schlossen 46 (58) Titel. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand erneut der Halbleiter- und Sofwaresektor. Der Aktienkurs von Nvidia kletterte um 6,3 Prozent. Die KI-Ikone hatte auf der Computex-Konferenz in Taiwan ihren neuen Superchip vorgestellt, den das Unternehmen als den "effizientesten jemals gebauten PC-Chip" bezeichnete. Der Chip soll in Rechnern zum Einsatz kommen, auf denen KI-Agenten laufen. Davon profitierten auch die Aktien von Unternehmen, in deren Laptops der neue Nvidia-Chip verbaut werden soll. Dell Technologies gewannen nach ihrem Kurssprung um rund 33 Prozent am Freitag nun weitere 10,8 Prozent. Microsoft verbesserten sich um 2,3 Prozent. Aktien von Nvidia-Wettbewerbern gaben derweil nach.
Asien
An den Börsen in Ostasien und Australien überwiegen am Dienstag die negativen Vorzeichen. In Tokio gibt der Nikkei-225-Index um 1,4 Prozent nach, allerdings hatte der Index am Montag ein Rekordhoch erreicht. Der breiter gefasste Topix verliert 0,8 Prozent. Nach einer Gewinnwarnung brechen die Aktien von Ito En um 11,2 Prozent ein.
Obligationen
Die gestiegenen Ölpreise schürten wieder Inflationssorgen, am US-Anleihemarkt zogen daher die Renditen an – im Zehnjahresbereich um 2 Basispunkte auf 4,47 Prozent.
Analyse
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