Von Nadine PEREIRA
Veröffentlicht am Tue, 30.06.2026 - 00:00
Die geplante Aufspaltung von Comcast lässt die Aktie von Charter Communications um fast 10 Prozent in die Höhe schnellen. Der Kabelkonzern plant, seine Sparten NBCUniversal und Sky abzuspalten, sodass sich Comcast künftig auf Breitband, Mobilfunk und Kabel konzentrieren kann. Dies veranlasst Anleger, darauf zu wetten, dass Comcast nach Abschluss der Aufspaltung Charter übernehmen wird, um sein Breitbandgeschäft angesichts des zunehmenden Wettbewerbs zu stärken. "Die zentralen regulatorischen Fragen (für ein potenzielles Gebot) werden klarer: Breitbandkonzentration, Überschneidungen auf lokalen Märkten, Mobilfunk-Bündelung und die Prüfung des öffentlichen Interesses durch die FCC", teilte das Research-Unternehmen MKI Global Partners in einer Research Note mit. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Gebot unausweichlich wäre. Charter hat einen Marktwert von mehr als 18 Milliarden US-Dollar, was das Unternehmen zu einem grossen Brocken für jeden potenziellen Käufer macht. Die Transaktion würde auch eine politische Prüfung nach sich ziehen, so MKI. Charter spielt bei der Konsolidierung in der Branche bereits eine führende Rolle. Das Unternehmen ist dabei, den Konkurrenten Cox Communications zu übernehmen. Zudem hat das Unternehmen zugestimmt, seinen grössten Aktionär, Liberty Broadband, im Rahmen einer reinen Aktientransaktion zu kaufen.
Wie auch an den anderen Aktienmärkten in Europa ist der Handel an der Schweizer Börse am Montag in ruhigen Bahnen verlaufen — bei einer in Zürich leicht positiven Grundtendenz. Der SMI gewann 0,4 Prozent auf 14.224 Punkte. Bei den 20 SMI-Werten standen sich 11 Kursgewinner und 9 -verlierer gegenüber. Umgesetzt wurden 19,9 (Freitag: 28,32) Millionen Aktien. Auffallend war die Schwäche von Aktien mit Bezug zum Bausektor, die aber europaweit zu beobachten war. Im SMI ging es für Amrize um 4,4 und für Holcim um 3,8 Prozent abwärts. Sika sackten um 2,5 Prozent ab. Möglicherweise hätten negative Kommentare von Analysten zu Heidelberg Materials die Stimmung im Sektor belastet, hiess es. Der Heidelberg-Kurs brach um rund 9 Prozent ein. An der Spitze der Gewinner standen Richemont mit einem Plus von 1,7 Prozent, gefolgt von Nestle, die um 1,2 Prozent zulegten. ABB gewannen 1,1 Prozent. Der Industriekonzern dürfte ein weiteres starkes zweites Quartal vorlegen, wobei die Leistung die bereits hohen Erwartungen wahrscheinlich übertreffen werde, meldeten sich die Analysten von Barclays zu Wort. Der Haupttreiber bleibe die robuste Nachfrage in der Elektrifizierung. Rechenzentren würden weiterhin als herausragender Wachstumsmotor gesehen.
Europa
Die europäischen Aktienmärkte haben am Montag wenig verändert geschlossen. Der DAX gab um 0,2 Prozent auf 24.627 Punkte nach, für den Euro-Stoxx-50 ging es dagegen um 0,2 Prozent auf 6.232 Punkte nach oben. Der Euro zog nach der jüngsten Korrektur an auf 1,1420 Dollar. Die Anleger nun blicken auf das am Berichtstag beginnende Zentralbanker-Forum in Sintra, das bis Mittwoch andauern wird. Hier wird sich auch der neue Chairman der US-Notenbank, Kevin Warsh, präsentieren. Die Anleger erhoffen sich vor allem Hinweise auf die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die meisten Beobachter rechnen mit einer weiteren Zinserhöhung im laufenden Jahr trotz des jüngsten Rückgangs des Ölpreises. Daneben dürfte die Berichtssaison für das zweite Quartal schon bald Akzente setzen. Das Gewinnwachstum in Europa dürfte sich im zweiten Quartal laut den Konsensschätzungen am Markt auf 12 Prozent im Jahresvergleich beschleunigt haben, so die Deutsche Bank. Diese Dynamik werde jedoch stark vom Energiesektor getrieben, während das zugrunde liegende Wachstum ohne Energie voraussichtlich im mittleren einstelligen Bereich bleiben werde. Nicht hilfreich für den DAX war der Einbruch des Schwergewichts Deutsche Telekom. Hintergrund dürfte nach Einschätzung aus dem Handel die geplante Aufspaltung von Comcast sein. Das Mediengeschäft soll abgestossen werden, übrig bliebe ein reiner Telekom- und Breitbandanbieter. Damit entstünde neue Konkurrenz für die etablierten Platzhirsche in den USA, was auf die Preise drücken dürfte. Deutsche Telekom, die über die Tochter T-Mobile in den USA stark präsent sind, verloren 5,5 Prozent. An der Wall Street fielen auch AT&T und Verizon kräftig.
USA
Mit den Kursen an der Wall Street ist es am Montag unter Führung von Technologieaktien kräftig nach oben gegangen. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,6 Prozent auf 52.183 Punkte, der breite S&P-500-Index kam um 1,2 Prozent voran. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes legten bis 2,3 Prozent zu. Nach ersten Angaben gab es 1.483 (Freitag: 1.741) Kursgewinner an der Nyse und 1.305 (1.040) -verlierer. Unverändert schlossen 51 (59) Titel. Der Kurs des Börsenneulings SpaceX stieg um über 7 Prozent. Die Aktie wird auf Basis eines neu eingeführten Schnellverfahrens nun auch in den Nasdaq-100-Index aufgenommen, und zwar am 7. Juli. In den breiteren Nasdaq-Composite war das Papier bereits unmittelbar mit dem Börsengang gekommen. Bis zur nächsten regulären Index-Überprüfung wird der Nasdaq-100-Index nun 101 Werte enthalten, wie der Indexbetreiber mitteilte. Die am Berichtstag erstmals als Mitglied im Dow-Jones-Index gehandelte Alphabet-Aktie machte einen Satz um 4,8 Prozent nach oben. Den Platz räumen mussten dafür Verizon, für die es um 5,2 Prozent abwärts ging. Dafür dürfte aber mit verantwortlich gewesen sein, dass die britische BT ein Joint Venture mit Verizon gründet und Verizon daraus im zweiten Quartal einen Verlust von bis zu 800 Millionen Dollar erwartet. Tesla legten um 8,5 Prozent zu. Für Fantasie sorgte CEO Elon Musk mit der Behauptung, dass das Grok 4.5 KI-Modell von SpaceX "vielleicht" besser sei als die Produkte von Anthropic. Er fügte hinzu, dass das Modell von Tesla verwendet werde. Das US-Raumfahrtunternehmen Rocket Lab vereinbarte die Übernahme des US-Satellitenunternehmens Iridium Communications für 8 Milliarden Dollar, worauf der Kurs um fast 16 Prozent abhob. Iridium gewannen rund 25 Prozent nahe an den Gebotspreis.
Asien
Am Dienstag setzt sich an den Börsen in Ostasien und Australien zunächst keine einheitliche Tendenz durch. In Tokio gewinnt der Nikkei-225-Index 1,3 Prozent. Der breiter gefasste Topix legt um 1 Prozent zu.
Obligationen
Die Renditen der US-Staatsanleihen zeigten sich wenig verändert, im Zehnjahresbereich lag sie unverändert bei 4,37 Prozent nach dem jüngsten deutlichen Rückgang.
Analyse
Jefferies erhöht Nestle-Ziel auf 84 (80) CHF — Hold
Jefferies erhöht Ziel Saint-Gobain auf 134,60 (127,50) EUR — Buy
Barclays erhöht STMicro auf Equalweight (Underweight) — Ziel 65 (34) EUR
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