Swissquote steht kurz vor ihrem 30-jährigen Jubiläum. In diesem Zusammenhang diskutieren der Verwaltungsratspräsident Markus Dennler und der CEO Marc Bürki darüber, was Swissquote einzigartig macht, welche langfristige Ausrichtung das Unternehmen verfolgt und wie es gelingt, in einer sich schnell verändernden Welt stets einen Schritt voraus zu bleiben.

Markus Dennler: Wir sind heute zweifellos ein gereiftes Unternehmen, aber diese Reife bedeutet nicht, dass wir unsere disruptive DNA verloren haben. Wir sind nach wie vor ein sehr innovatives Unternehmen, angetrieben von einem progressiven Geist.
Marc Bürki: Absolut. Und wir haben die Energie eines Start-ups bewahrt, auch wenn wir nicht mehr die Bewertung eines Start-ups haben. Wir werden als etabliertes Unternehmen wahrgenommen, mit Kennzahlen, die eher denen einer klassischen Bank ähneln. Wenn man jedoch durch unsere Büros geht, spürt man deutlich die Atmosphäre eines Start-ups. Und wir wollen das unbedingt als einen unserer wichtigsten strategischen Vorteile beibehalten. Es ist mehr als ein Gefühl: Wir haben eine relativ flache Hierarchie, ein unternehmensweites Bonussystem sowie eine offene und transparente interne Kommunikation.
Markus Dennler: Der grösste Unterschied zu traditionellen Banken sind unsere kurzen Entscheidungswege. Wir können in sehr kurzer Zeit echte Neuerungen einführen. Diese Agilität ist eher mit der eines Start-ups vergleichbar.
Marc Bürki: Diese gleiche Agilität spiegelt sich auch darin wider, wie wir Innovationen intern fördern. Durch Initiativen wie unsere Innovation Days und den jährlichen Hackathon schaffen wir offene, kollaborative Plattformen, auf denen Ideen schnell in konkrete Lösungen umgesetzt werden können. Diese Veranstaltungen erfreuen sich grosser Beliebtheit und sind zu einem wichtigen kulturellen Merkmal innerhalb des Unternehmens geworden. Diese Kultur der schnellen Umsetzung hat Swissquote von Anfang an geprägt.
Marc Bürki: Ja, ich würde sagen, erfüllt und übertroffen. Wir haben uns von einem kleinen Softwareunternehmen zu einer Bank entwickelt, die heute fast der Kategorie 3 entspricht. Das war vor 30 Jahren ganz offensichtlich nicht der Plan. Aber wir hatten diese Ambition, uns ständig an eine sich wandelnde Welt anzupassen. Vor 30 Jahren sprach natürlich noch niemand über künstliche Intelligenz. Der Hype galt damals dem Internet. Aber unsere Einstellung war die richtige. Das Spannende bei Swissquote ist, dass wir wahrscheinlich besser organisiert oder besser in der Lage sind, diese neuen Technologien zu nutzen, als traditionelle Banken. Innovation liegt in unserer DNA: Wir verstehen Technologie und wissen, wie man damit umgeht. Zum Beispiel gehört Swissquote zu den ersten Banken, die Apertus einsetzen, ein souveränes generatives KI-Modell aus der Schweiz, das direkt von Swissquote betrieben und gehostet wird, ohne ausschliesslich auf ausländische Anbieter oder externe Plattformen angewiesen zu sein. Für uns ist das selbstverständlich. Wir brauchen keine KI-Strategie, um mit der Entwicklung von KI-Tools zu beginnen.

Markus Dennler: Swissquote ist heute eine vollwertige, regulierte digitale Bankengruppe. Wir sind nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit vertreten. Unser Fokus liegt auf selbstbestimmtem Investieren. Das ist, was wir sind und was wir in Zukunft sein möchten. Wir haben uns von einem frühen Versprechen, den Online-Handel zu demokratisieren, zu einer viel umfassenderen Plattform entwickelt, die dies für Hunderttausende von Kund:innen zur Realität gemacht hat. Und nicht nur für unsere Kund:innen: Wir machen Finanzwissen für alle zugänglich durch kostenlose Online-Bildungsinhalte in unserem Magazin, unseren Videos, Podcasts, Social-Media-Kanälen, eBooks und Blogartikeln. Wir betrachten dies als Erweiterung unserer Kernaufgabe.
Markus Dennler: Durch die Tatsache, dass wir stark technologieorientiert sind und gleichzeitig als Bank nahezu alle Dienstleistungen klassischer Finanzinstitute anbieten. Dies verschafft uns einen Vorsprung in Bezug auf unsere Entwicklungsfähigkeiten.
Marc Bürki: Dem stimme ich voll zu. Vor 30 Jahren gab es beispielsweise nur eine Methode der Softwareentwicklung, die als «Wasserfallmodell» bezeichnet wurde. Man führte einen Prozess nach dem anderen durch und gelangte schliesslich zum Endprodukt. Später kamen die agilen Methoden auf, die wir frühzeitig übernommen haben. Dabei wurden alle Prozesse gleichzeitig bearbeitet und anschliessend kombiniert, um das Ergebnis zu erzielen. Dies war wesentlich schneller und effizienter. Derzeit vollzieht sich ein Wandel durch die Anwendung von KI beim Schreiben von Code. Es ist eine stille Revolution, die jedoch bereits jetzt die Markteinführungszeit verkürzt. Unser Vorteil ist nicht nur, dass wir diese Technologien genau verstehen, sondern auch, dass wir schon die Mitarbeitenden haben, um solche Projekte umzusetzen. Das macht Swissquote auch zu einer Ausbildungsstätte für all die jungen Ingenieur:innen, die in den Arbeitsmarkt eintreten. Sie kommen in ein Umfeld, in dem Agilität und schnelle technologische Entwicklung geschätzt werden. Die Gründung unserer Tech Talent Academy vor fünf Jahren ist ein gutes Beispiel für diesen Ansatz. Das bedeutet: Potenzial erkennen, Kompetenzen und Denkweise schulen, Talente integrieren und an das Unternehmen binden.
Marc Bürki: Es entsprang dem Credo, den Mut zu haben, anders zu sein, und das ist in einer Branche, die so tiefgreifend von technologischen Umwälzungen verändert wird, sehr wichtig. Letztendlich geht es nicht um die Produkte, die wir verkaufen. Bankprodukte haben sich in der jüngeren Vergangenheit nicht verändert, abgesehen vielleicht von Krypto und Blockchain. Allerdings hat sich die Art und Weise, wie wir diese Produkte zur Kundschaft bringen, grundlegend verändert. Die Nutzungsoberfläche ist anders und wird sich noch weiter verändern. Und genau hier muss man sich trauen, diese grundlegenden Veränderungen anzunehmen. Ausserdem macht der Generationswechsel diese Art von Veränderung fast schon zwingend erforderlich.

Marc Bürki: Ich denke, einer der Hauptschwerpunkte jeder Bank liegt derzeit in der Betrugsbekämpfung. Betrug hat sich zu einer eigenständigen Branche entwickelt, die auch künstliche Intelligenz nutzt. Wir haben bereits viele Massnahmen ergriffen, um unsere Kundschaft zu schützen und die Schnittstelle zu sichern, aber es ist ein nie endender Wettlauf. Daher wird die Betrugsbekämpfung auch weiterhin eine unserer wichtigsten Prioritäten bleiben. Ein Beispiel ist unsere langfristige Partnerschaft mit dem Zurich Information Security and Privacy Center der ETH Foundation. Wir sind fest davon überzeugt, dass innovative akademische Forschung und unternehmerisches Fachwissen die Branche in den Bereichen Betrugserkennung und Cyber-Resilienz voranbringen werden. Ein weiteres Thema ist die Integration von KI-Tools, die unserer Kundschaft eine bessere Verwaltung ihres Vermögens und Portfolios ermöglichen. Dies sind einige der grossen Entwicklungen, die wir im Jahr 2026 auf den Markt bringen werden.
Markus Dennler: Komplexe Finanzinvestitionen in ein einfaches, schnelles, digitales Erlebnis verwandeln.
Marc Bürki: Neue Technologien nutzen.
Markus Dennler: Dies gilt nicht nur für Swissquote, sondern für alle Banken: Das Vertrauen der Kundschaft sollte niemals gegen schnelles Wachstum oder kurzfristige Chancen eingetauscht werden. Bei Bankgeschäften sollte es um Vertrauen und darum gehen, ein verlässlicher Partner zu sein.
Marc Bürki: Da stimme ich voll und ganz zu!

Nestor Verrier, Chief Operating Officer (COO) und Lucrezia Bruni, Head Quantitative Research & Solutions

Alexandru Craciun, Chief Technology Officer (CTO) und Arjeta Haskaj, Head Product Strategy

Tara Yip, Chief People Officer (CPO) und Edwige Fiaclou, Head Tech Talent & Methodology II