Von Stefano GIANTI
Veröffentlicht am Fri, 16.10.2026 - 00:00
Die Unicredit hat für die Übernahme der deutschen Commerzbank eine wichtige Hürde genommen. Wie die italienische Bank mitteilte, hat sie die Genehmigung von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten, die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent zu überschreiten und den Anteil weiter zu erhöhen. Die Unicredit hat sich zuletzt knapp die Hälfte der Anteile an der Commerzbank gesichert. Die noch ausstehenden regulatorischen Prozesse und Konditionen, um das Angebot für die Commerzbank abzuschliessen, werden laut Unicredit bis Jahresende erwartet. Dann werde sie knapp 50 Prozent der Stimmrechte vereinnahmen und in der Lage sein, die Kontrolle zu übernehmen.
Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag klar zugelegt, womit die Indizes bereits den fünften Tag in Folge fester schlossen. Der hiesige Markt profitierte dabei einmal mehr auch von seiner eher defensiven Ausrichtung, während technologienahe Werte weiterhin unter Druck standen. Der SMI schloss am Donnerstag mit einem Plus von 1,55 Prozent auf seinem Tageshoch von 14'349,51 Punkten. Von den 20 Einzeltiteln notierten 17 im Plus und nur drei im Minus. Der Mid-Cap-Index SMIM stieg um 1,41 Prozent auf 3132,45 und der breite SPI gewann 1,44 Prozent auf 20'243,96 Punkte. Die wichtigsten europäischen Leitindizes legten derweil etwas moderater zu. Stärkste SMI-Werte waren die Aktien des Augenheilmittelspezialisten Alcon (+3,3%) sowie des Pharmazulieferers Lonza (+3,1%). Nach einem am Vorabend in den USA abgehaltenen Kapitalmarkttag erhöhten am Donnerstag mehrere Analysten ihre Kursziele für die Lonza-Titel. Stark zeigten sich auch die defensiven Schwergewichte. So legten sowohl Nestlé (+2,8%) als auch die Pharmatitel Novartis (+2,6%) und Roche (+2,4%) über dem Marktschnitt zu. Auch die Aktien des Generikaherstellers Sandoz (+2,0%) schlossen deutlich fester.
Europa
An den europäischen Börsen ist es am Donnerstag nach einem turbulenten Tag mit stark sinkenden Zinsen uneinheitlich zugegangen, wobei Aktien mit KI-Fantasie stark unter Druck standen. Der DAX ging nach einer späten Erholung von den Tiefs 0,3 Prozent höher aus dem Tag mit 25.368 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 sank um 0,4 Prozent auf 6.168 Punkte. Der Stoxx-Subindex der Technologieaktien gab um 1,5 Prozent nach. Er schloss damit aber deutlich über dem Tagestief, nachdem am Nachmittag der Verkaufsdruck etwas nachgelassen hatte – auch weil sich die US-Börsen insgesamt widerstandsfähiger zeugten als zunächst erwartet. In London ging es für den FTSE-100 sogar um 1,1 Prozent nach oben. Hier stützte, dass die britische Wirtschaft im August erneut gewachsen ist. Damit setzte sich die in diesem Jahr unerwartet starke Dynamik fort, obwohl Befürchtungen bestanden hatten, dass höhere Energiepreise die Aktivität dämpfen könnten. Infineon rutschten um 5,2 Prozent ab, ASML um 4,2 und STMicroelectronics um 3,8 Prozent. Weiter unter Druck standen auch die Aktien von Stromversorgern und Erbauern von Rechenzentren. Siemens Energy verloren 2,2 Prozent, Hochtief 3,6, ABB 3,4 und Schneider 2,4 Prozent, Starke Geschäftszahlen kamen derweil von Ericsson. Die Aktie gewann 6,8 Prozent nach einem starken Umsatzwachstum bei Netzwerkausrüstungen. Eine Warnung des Unternehmens, wonach höhere Komponentenkosten im nächsten Jahr die Rentabilität belasten werden, ging unter. Astrazeneca verbesserten sich um 3,2 Prozent, nachdem der Pharmariese einen KI-gestützten Wirkstoffforschungs-Deal mit Insitro abgeschlossen hatte. Astrazeneca zahlt dem KI-Therapeutikunternehmen zunächst 40 Millionen Dollar und bis zu 1,46 Milliarden Dollar, sofern bestimmte Ziele erreicht werden.
USA
Die US-Aktien legten trotz der Volatilität im Technologiesektor zu, da die Treasury-Renditen einen Teil ihrer jüngsten Gewinne wieder abgaben. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 556,80 Punkte oder 1,08 Prozent auf 52178,28 Punkte, der S&P 500 gewann 25,17 Punkte oder 0,33 Prozent auf 7744,11 Punkte hinzu, und der technologielastige Nasdaq Composite verbesserte sich um 20,16 Punkte oder 0,08 Prozent auf 26713,03 Punkte. Der Erzeugerpreisindex stieg im September im Monatsvergleich um 1,3 Prozent und lag damit weit über dem Anstieg von 0,4 Prozent im August sowie den Erwartungen von Ökonomen von 0,6 Prozent. Dies war der grösste Anstieg des Indikators seit mehr als vier Jahren. Die Aktie von CoreWeave, dem Anbieter von Cloud-Computing-Diensten, dessen Kreditqualität Anlass zur Sorge gibt, stieg um 5,9 Prozent auf 69,69 Dollar, obwohl die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls an den Derivatemärkten zunahm. Ein Maklerhaus meint, dass diese Kreditbefürchtungen übertrieben sein könnten. Dell Technologies, ein Lieferant von Servern und anderen Produkten für Cloud-Unternehmen wie CoreWeave, gab um 6,8 Prozent auf 473,39 Dollar nach und hat in den letzten vier Handelstagen rund 19 Prozent verloren. Im Finanzsektor fielen die Ergebnisse weiterhin stark aus.
Asien
Nach dem Kursrutsch am Vortag kommt es zum Wochenausklang an den ostasiatischen Aktienmärkten zu einer kräftigen Erholung. Besonders deutlich fällt die Erholung in Seoul aus, wo es für den Kospi um 3,6 Prozent nach oben geht.
Obligationen
Die Rendite der 10-jährigen US-Treasury-Anleihe fiel am Donnerstag um 0,102 Prozentpunkte auf 5,086 Prozent, was laut Dow Jones Market Data der grösste Rückgang an einem einzigen Tag seit mehr als einem Jahr war. Die Rendite der 30-jährigen Anleihe sank um 0,097 Prozentpunkte auf 5,427 Prozent, ebenfalls der grösste Rückgang seit über einem Jahr. Die Rendite der zweijährigen Treasury-Anleihe ging um 0,053 Prozentpunkte auf 4,747 Prozent zurück, was den stärksten Rückgang seit zwei Wochen darstellte.
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