Finanzgrundlagen

Einstieg bei TradingView: Die Grundlagen für einen erfolgreichen Start

Vom Anfänger bis zum sicheren Benutzer auf TradingView. Lernen Sie, sich in der Benutzeroberfläche zurechtzufinden, beherrschen Sie die Zeichenwerkzeuge und erstellen Sie Ihre erste Strategie auf der weltweit führenden Charting-Plattform.
Stefano Gianti
Stefano Gianti
Education Manager at Swissquote
PublishedMar 31, 2026
UpdatedMar 31, 2026
8min
TradingView charts

In den heutigen Märkten ist die grösste Herausforderung nicht der Mangel an Informationen, sondern die schiere Menge daran. Für Privatanleger hat sich der Zugang zu fortschrittlichen Charting-Tools deutlich verbessert, so dass sich der Abstand zu professionellen Plattformen verringert hat.

Viele dieser Tools folgen einem Freemium-Modell: Es gibt eine robuste Gratisversion, wobei zusätzliche Funktionen durch kostenpflichtige Stufen freigeschaltet werden, wie zum Beispiel der Zugriff auf weitere Indikatoren oder spezialisierte Daten.

Allerdings reicht der Zugang allein nicht aus. Ohne einen strukturierten Ansatz kann selbst die leistungsstärkste Plattform schnell zur Ablenkungsquelle werden. Um effektiv handeln zu können, ist es wichtig, nicht nur willkürliche Grenzen zu ziehen, sondern stattdessen einen Arbeitsbereich zu schaffen, der Konsistenz, Klarheit und rationale Entscheidungen unterstützt.

Strukturieren Sie Ihr Trading-Dashboard

TradingView zum ersten Mal zu öffnen, fühlt sich an, als würde man in das Cockpit einer Boeing 747 einsteigen. Zahlen blinken, Linien bewegen sich und Werkzeuge sind überall. Machen Sie nicht den Anfängerfehler, alles eingeschaltet zu lassen. Ein überladenes Diagramm führt zu einem unruhigen Geist.

Die obere Leiste: Ihre Kommandozentrale

Hier kümmern Sie sich um das „Gesamtbild“: Tickersymbole ändern, Zeitrahmen anpassen und Indikatoren hinzufügen:

  1. Symbolsuche: Geben Sie einen beliebigen Ticker ein.
  2. Zeitrahmen: Umstellung von täglich (langfristig) auf 5-Minuten (kurzfristig). Hinweis: Für benutzerdefinierte Zeiträume (z. B. ein 2-Minuten-Diagramm) ist in der Regel ein kostenpflichtiger Tarif erforderlich.
  3. Charttypen: Wechseln Sie von Kerzen zu Fläche oder Heikin Ashi.
  4. Schaltfläche „Indikatoren“: Dies ist Ihre Bibliothek mit Tausenden von Skripten.
  5. Profi-Tipp: Verwenden Sie die Schaltfläche „Vergleichen“. Wenn Sie eine Tech-Aktie wie Apple handeln, überlagern Sie den Nasdaq 100. Wenn Apple fällt, während der Nasdaq steigt, haben Sie eine relative Schwäche festgestellt.

Die linke Leiste: Ihre Werkzeugkiste

Hier finden Sie Ihre Trendlinien und Fibonacci-Niveaus. Übertreiben Sie es nicht. Ein paar gut platzierte Ebenen sind besser als ein Gewirr aus Linien.

  • Trendlines & Fibonacci: die Top-Icons. Wie benutzt man: Wählen Sie das Trendlinientool aus, klicken Sie auf ein Preistief und ziehen Sie es auf das nächste Tief, um die Unterstützung zu sehen.
  • Long/Short-Positionstools: Diese sind genial. Sie zeichnen ein grünes/rotes Kästchen auf Ihrem Chart, das automatisch Ihr Risiko/Gewinn-Verhältnis berechnet, bevor Sie einen Handel eingehen.

Die rechte Leiste: Watchlists & Social Media

Dies ist Ihr Informationszentrum, wo Sie Ihre Vermögenslisten verwalten und Preiswarnungen verfolgen können.

Hören Sie auf, alle Aktien, von denen Sie je gehört haben, in eine riesige Liste zu packen. Organisieren Sie Ihre Watchlists nach Anlageklasse (Forex, Krypto, Tech-Aktien) oder nach Dringlichkeit (aktive Trades, Watchlist für nächste Woche). Der Reiter „Details“ ganz unten dient als Realitätscheck; er zeigt Ihnen das KGV und den Gewinn des Unternehmens an, sodass Sie genau wissen, was Sie kaufen, bevor Sie sich Gedanken über den Preis machen.

  1. Watchlist: Erstellen Sie Listen wie „Top-Tech“ oder „Krypto-Boom“. So wählen Sie aus: Klicken Sie auf das Symbol „+“, um Symbole hinzuzufügen.
  2. Warnungen: das Uhr-Symbol. Hier verwalten Sie Ihre „Preisalarme“.
  3. Objektbaum: befindet sich unten rechts. Es funktioniert wie die Ebenen in Photoshop: Sie können Ihre Zeichnungen ausblenden oder sperren, damit Sie sie nicht versehentlich verschieben.

Den Markt lesen (ohne Stress)

Sie müssen kein Mathegenie sein, um ein Diagramm zu lesen. Für Anfänger gilt: Einfachheit ist Trumpf. Eine einfache Entscheidung ist oft die beste Entscheidung.

  • Die „Linien“-Strategie: Wenn Ihnen Kerzen wie „Rauschen“ vorkommen, wechseln Sie zu einem Liniendiagramm (Obere Leiste > Diagrammtypen). Es werden nur Schlusskurse angezeigt, wodurch der eigentliche Trend viel leichter zu erkennen ist.
  • Heikin Ashi (der Panik-Filter): Wenn Sie dazu neigen, bei jeder winzigen roten Kerze in einem Aufwärtstrend in Panik zu geraten, versuchen Sie es mit Heikin Ashi-Charts. Im Japanischen bedeutet es „Durchschnittsbalken“. Diese Charts glätten Kursbewegungen und bleiben grün, solange der Trend gesund ist. Um es auszuwählen, klicken Sie einfach auf das Symbol „Kerzen“ in der oberen Leiste.
  • Analyse mehrerer Zeitebenen: Nur ein 5-Minuten-Diagramm zu betrachten, ist, als würde man Auto fahren und dabei auf die eigene Stossstange starren. Ein solider Workflow verwendet einen „Top-Down“-Ansatz: Sie suchen nach wichtigen Kursniveaus im Tageschart und verfeinern dann den Einstieg im 1-Stunden- oder 15-Minuten- Chart.

Diese „Top-Down“-Logik entspricht genau der Sichtweise von Charles Dow (dem Mann hinter dem Dow Jones) auf die Märkte im späten 19. Jahrhundert. Er verglich die Zeiträume mit den Gezeiten, den Wellen und den Kräuselungen des Ozeans.

Erstellen Sie Ihr Diagramm ohne Störungen

Das Ziel ist nicht, eine Tabelle zu haben , die wie ein Weihnachtsbaum aussieht. Man braucht nur wenige Werkzeuge, die auch tatsächlich zusammenarbeiten. Bei einem kostenlosen Konto können Sie in der Regel bis zu drei verwenden. Hier sind die „Magnificent 7“-Klassiker, die Sie in der Top Bar-Bibliothek finden:

  1. RSI (Relative Stärke Index): Er misst die Geschwindigkeit. Über 70 ist „teuer“, unter 30 ist „billig“.
  2. Gleitender Durchschnitt (EMA 20/50/200): Wenn der Kurs über 200 EMA liegt, befinden Sie sich in einem langfristigen Bullenmarkt.
  3. Bollinger-Bänder: Sie zeigen die Volatilität an. Wenn die Bänder stark zusammengepresst werden, kommt es in der Regel zu einem „Ausbruch“ oder einer „Explosion“.
  4. MACD: Hervorragend, um Trendumkehrungen zu erkennen.
  5. Volumen: Es zeigt, wie viele Personen tatsächlich kaufen. Ein hohes Volumen an einem grünen Tag bedeutet, dass die „Big Boys“ dabei sind.
  6. Volume-Profil: (kostenpflichtige Funktion). Es zeigt, zu welchem Preis die meisten Menschen gehandelt haben. Es ist wie eine Karte, die zeigt, wo die eigentliche „Schlacht“ stattfand.
  7. VWAP: Der „faire Wert“ des Tages. Institutionelle Händler leben nach diesem Prinzip.

Der Vorteil von 0,1 Sekunden: Früher berechneten Analysten diese Durchschnittswerte noch von Hand auf Papier. TradingView schafft das heute in 0,1 Sekunden. Nutzen Sie diese Geschwindigkeit zu Ihrem Vorteil.

Ausführung: die Auslösung des Auftrags

Der Markt schläft nie, aber Sie schon. Sie können nicht rund um die Uhr auf einen Bildschirm starren. Dies ist der Punkt, an dem serverseitige Warnmeldungen und der Screener das Spiel verändern.

  • Intelligente Warnungen: Warten Sie nicht, bis der Preis 150 $ erreicht. Richten Sie eine Benachrichtigung ein, wenn der RSI die 30 überschreitet oder wenn der Kurs meine Trendlinie erreicht. Die Benachrichtigungen von TradingView befinden sich auf ihren Servern, nicht auf Ihrem Computer. Ihr Laptop kann geschlossen werden und Sie bekommen trotzdem einen Ping auf Ihrem Handy, wenn es Zeit zum Handeln ist.
  • Der Aktien-Screener: befindet sich im unteren Bereich. Sie können innerhalb von Sekunden nach „Top-Gewinnern“ oder „überverkauften Aktien“ filtern. Das ist wie eine Dating-App für Aktien: Man wischt die unpassenden Aktien nach links, sodass man nur noch die „Übereinstimmungen“ sieht.

Anekdote: Während des Black-Monday-Crashs von 1987 wurden viele Händler überrascht, weil sie weder Echtzeitdaten noch automatisierte Benachrichtigungen hatten. Heute verfügen Sie auf Ihrem Smartphone über ein besseres Frühwarnsystem, als sie damals auf ihrem gesamten Börsenparkett hatten.

Fazit

TradingView bietet Ihnen leistungsstarke Werkzeuge, um die Märkte zu analysieren. Aber denken Sie daran: Der Besitz des besten Hammers macht Sie nicht automatisch zu einem Meistertischler.

Wahrer Erfolg entsteht durch Ihre Routine. Nutzen Sie die Wochenenden für Ihre Hauptarbeit: wenn die Märkte ruhig sind und die Emotionen ausgeglichen bleiben. Markieren Sie Ihre Werte, stellen Sie Ihre Alarme ein und treten Sie dann zurück. Während der Woche ist Ihre Aufgabe einfach: auszuführen. Wie Jesse Livermore treffend sagte: „Es war nie mein Denken, das mir das grosse Geld einbrachte. Es war immer mein Sitzenbleiben.“ TradingView ist das Tool, das Ihnen genau zeigt, wann Sie sitzen bleiben und wann Sie handeln sollten.

Der Inhalt dieses Artikels dient ausschliesslich zu Weiterbildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, Finanzempfehlungen oder Werbematerial dar.

Stefano Gianti
Stefano Gianti
Education Manager at Swissquote

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