Die dominante Marktgeschichte des letzten Monats war unmöglich zu ignorieren: eine starke Eskalation im Nahostkonflikt, ein Anstieg der Ölpreise und eine schnelle Neubewertung der Inflation und der Erwartungen der Zentralbank.
Was dann folgte, fühlte sich vertraut an – und doch beunruhigend. Die Inflationsängste flammten wieder auf, die Hoffnungen auf Zinssenkungen wurden zurückgedrängt und die Märkte waren gezwungen, ein fragiles makroökonomisches Gleichgewicht neu zu bewerten.
Doch inmitten des Lärms gerieten nicht alle in Panik.
“Die beste Reaktion auf die anhaltenden Spannungen und die Marktvolatilität ist keine reflexartige Reaktion.”
Keine reflexartigen Reaktionen, nur Positionierung
Während viele Anleger hektisch reagierten, war Coxons Vorgehen bemerkenswert diszipliniert: kein emotionales Handeln, keine plötzlichen Kurswechsel.
Die Positionierung vor dem Konflikt spiegelte bereits eine konstruktive Sicht auf Rohstoffe wider, sagt er: 'Die Modelle waren sowohl bei Kupfer als auch bei Öl optimistisch – ein Vorteil, als die Energiemärkte aufstiegen'.
Es gab Anpassungen, aber diese wurden dosiert vorgenommen:
- Die Goldquote war bereits von 8 % auf 5 % reduziert worden.
- Portfolios hatten sich zugunsten von Value-Werten verschoben
- Der Fokus lag weiterhin klar auf der langfristigen Strategie, nicht auf kurzfristigen Schlagzeilen.
Die Botschaft ist einfach, wird aber oft übersehen: Handeln Sie nicht den Schock, sondern die Kursentwicklung.

Ein Konflikt mit einem politischen Zeitplan
Den genauen Verlauf des Nahostkonflikts vorherzusagen, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Doch die damit verbundenen Anreize zu verstehen, ist hilfreicher.
Dieser Konflikt wurde von Israel ausgelöst, und letztendlich liegt die Entscheidung zur Deeskalation ebenfalls bei Israel. Unterdessen scheint der Iran entschlossen, das Ultimatum mit einem Ultimatum zu beantworten. Ein vollständiger Regimewechsel erscheint unwahrscheinlich, was darauf hindeutet, dass die strukturelle Eskalation Grenzen hat.
Noch wichtiger ist jedoch der politische Kontext.
In den USA würde ein anhaltender Inflationsschub etwa 3 bis 6 Monate brauchen, um bei den Verbrauchern durchzudringen. Dieser Zeitpunkt ist kritisch, denn er käme genau vor einem wichtigen politischen Meilenstein: den US-Zwischenwahlen im November, warnt Coxon.
“Die US-Zwischenwahlen im November schaffen einen starken Anreiz: anhaltende wirtschaftliche Probleme zu vermeiden.”
Mit anderen Worten: Während die Geopolitik ergebnisoffen erscheinen mag, ist der wirtschaftliche Zeitplan es nicht.

Investieren durch Ungewissheit
Also, wie investieren Sie, wenn die Schlagzeilen so laut sind?
Der Schlüssel ist, das Ereignis von seinen Folgen zu trennen.
“Die Märkte bewerten den Schock nicht — sie bewerten, was als Nächstes kommt.”
Wenn die Anleiherenditen wieder sinken, sich die Ölpreise stabilisieren und die Inflationserwartungen abkühlen, verschiebt sich die breitere Markterzählung schnell wieder in Richtung Risikowerte.
Unter diesem Szenario bleiben die Aktien auf Kurs für weitere Gewinne.
Deshalb liegt der Fokus weiterhin auf dem 3–6-monatigen Transmissionsfenster und nicht auf der täglichen Volatilität.

Das ist nicht der erste Ölschock.
Die Golfregion hat schon früher ähnliche Schocks erlebt, insbesondere während des Golfkriegs. Als der Irak im August 1990 in Kuwait einmarschierte, stiegen die Ölpreise innerhalb von nur zwei Monaten von etwa 15 Dollar pro Barrel auf fast 40 Dollar– ein dramatischer Anstieg, der die Märkte weltweit erschütterte.
Der Anstieg war jedoch nur von kurzer Dauer. Als die Koalitionstruppen eingriffen und der Krieg im Februar 1991 endete, hatten sich die Ölpreise bereits gemässigt.
Betrachtung des Marktverhaltens:
- 1 Monat später: Die Volatilität blieb erhöht
- 3 bis 6 Monate später: Die Stabilisierung begann; der Energiemarkt hatte sich weitgehend wieder auf das Vorkriegsniveau erholt.
- 1 Jahr später: Die Märkte hatten sich weitgehend wieder den Vorkriegstrends angenähert. Die globalen Märkte hatten den Schock absorbiert, wobei Aktien und Rohstoffe ihre vorherigen Trends wieder aufgenommen hatten.
Die Lehre daraus ist klar: Kurzfristige Volatilität signalisiert nicht zwangsläufig eine dauerhafte Veränderung. Die Geschichte zeigt, dass selbst dramatische geopolitische Schocks eher zu Spitzen als zu anhaltenden Veränderungen führen – etwas, woran sich Anleger heute beim Umgang mit den aktuellen Spannungen im Nahen Osten gut erinnern sollten.
Privatkredite: das stille Risiko
Während die Geopolitik die Schlagzeilen dominierte, baute sich ein weiteres Risiko leise unter der Oberfläche auf: Stress auf den privaten Kreditmärkten. Der Grossteil der Kreditprobleme stand im Zusammenhang mit einem massiven Ausverkauf von Softwareunternehmen aus Angst, dass KI-Modelle und -Anwendungen ihre Geschäftsmodelle zerstören könnten.
Manche haben Parallelen zur globalen Finanzkrise gezogen – doch die Dynamik ist eine andere.
KI-Risiken unterscheiden potenzielle Gewinner von Verlierern, schwächen aber nicht das Geschäftsmodell jedes Unternehmens. Unternehmen, die über firmeneigene Daten und Geschäftsmodelle verfügen, die tief in Firmenkunden verankert sind, werden als Gewinner hervorgehen, da ihre Dienstleistungen nicht allein durch KI-gestützte Software ersetzt werden können. LSEG und Bloomberg sind gute Beispiele. Künstliche Intelligenz kann Plattformen entwickeln, aber keine Daten erfinden. Im Gegenteil, KI wird helfen, Dienstleistungen zu verbessern. Unternehmen mit einem grossen Firmenkundenstamm, eigenen Daten, der Flexibilität, KI in bestehende Produkte zu integrieren, und hohen wiederkehrenden Einnahmen sind im sich wandelnden Umfeld digitaler Dienstleistungen besser aufgestellt.
“Und dabei geht es nicht unbedingt um Standardeinstellungen. Es geht um Liquidität.”
Private Kredite haben von dem Versprechen stetiger, hoher einstelliger Renditen profitiert. Doch wenn die Unsicherheit zunimmt und die Anleger ihr Geld zurückhaben wollen, entsteht ein strukturelles Problem: Das Geld ist einfach nicht da.
Selbst ohne weitverbreitete Zahlungsausfälle kann allein der Rückzahlungsdruck das System destabilisieren:
- Die Auszahlungsanträge steigen
- Käufer sind rar
- Illiquidität verstärkt den Stress
Die Besorgnis wird noch dadurch verstärkt, dass Risiken innerhalb einzelner Bereiche des Bankensystems bestehen.
Eine gute Nachricht ist, dass die Rückzahlungslimits dazu beitragen könnten, einen schnellen Zusammenbruch einzudämmen. Die schlechte Nachricht ist, dass dies ein langsam eintretendes Risiko sein könnte, das sich über Quartale hinziehen kann.

Stagflationsängste: realistisch oder übertrieben?
Das erste Quartal lieferte eine toxische Mischung:
- Geopolitische Unsicherheit (Venezuela, Grönland, Naher Osten)
- Steigende Energiepreise
- Höhere Inflationserwartungen
- Restriktive Neubewertung der Zentralbank
- Verlangsamung des US-Wachstums
- Schwache europäische Dynamik
Es ist kein Wunder, dass das Wort „Stagflation“ wieder vermehrt in Gesprächen auftaucht.
Aber die Realität ist nuancierter.
Wir befinden uns noch nicht in einer Stagflation – aber wir befinden uns in einem späten Konjunkturzyklus, in dem Schocks eine grössere Rolle spielen.
Und das macht die nächsten Schritte der Zentralbanken noch wichtiger.

Devisenhandel, Rohstoffe und die politische Kluft
Dollarstärke und ihre Grenzen
Der US-Dollar und das Öl waren die klaren Gewinner des jüngsten Nahostkonflikts, der zu einer globalen Energiekrise führte.
Doch der politische Rahmen ist wichtig.
Die Federal Reserve (Fed) operiert weiterhin unter einem doppelten Mandat – Inflation und Arbeitsmarkt – und verfügt damit über mehr Flexibilität als Pendants wie die Europäische Zentralbank oder die Bank of England, die ein einheitliches Mandat haben: Preisstabilität.
Aus diesem Grund deutete der jüngste Dot Plot der Fed trotz des Inflationsschocks auf eine Zinssenkung in diesem Jahr hin.
Das bringt es im Vergleich zu Europa in eine weniger restriktive Position.
An den Märkten kalkulierten die Anleger die Möglichkeit einer Zinssenkung durch die US-Notenbank aus, erhöhten aber gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen in Europa.
Europa unter Druck
Europa steht vor einem doppelten Schlag:
- Steigende Energiepreise
- Ein stärkerer Dollar
Beides befeuert die Inflationserwartungen und erhöht die Chancen auf eine Straffung der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England (BoE).
Leider hat selbst eine aggressive Neubewertung der Zinserwartungen dem Euro und dem Pfund Sterling angesichts einer breit angelegten Aufwertung des US-Dollars nicht viel geholfen.
Das ist normal: Die Massnahmen der Zentralbanken sind bei einem externen Schock nur teilweise wirksam. Die politischen Entscheidungsträger müssen das Wirtschaftswachstum verlangsamen, um den Inflationsdruck zu bändigen, und letzteres ist für Währungen wenig attraktiv.
Daher bleibt der kurzfristige Ausblick fragil:
- Europa ist strukturell stärker von Energieschocks betroffen
- Das Wachstum bleibt schwach
- Die Positionierung ist bereits rückläufig geworden
Doch wenn sich die Lage im Nahen Osten beruhigt hat, könnten Zinsdifferenzen den Euro und das Pfund Sterling stabilisieren und den US-Dollar zwingen, die durch den Krieg bedingten Gewinne wieder abzubauen.
Das Dilemma der Schweiz
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) befindet sich in einer einzigartigen Position.
Die Zinssätze liegen bei 0 %, die Inflation ist nahezu null – dennoch bleibt der Schweizer Franken aufgrund der Nachfrage nach sicheren Anlagen stark.
Die Herausforderung ist nicht das Niveau der Währung, sondern die Geschwindigkeit ihrer Wertsteigerung. Die SNB hat den Luxus, auf mehr Klarheit im Nahen Osten zu warten.
Doch die Kontrolle eines starken Francs – möglicherweise gegenüber dem Euro – bleibt ein heikler Balanceakt.
Gold verliert seinen Glanz
Die unterdurchschnittliche Wertentwicklung von Gold während einer geopolitischen Krise sorgte für Stirnrunzeln.
Die Erklärung ist jedoch ganz einfach:
- Starker Dollar
- Steigende reale Renditen
- Schwacher Yen
Alle drei sind negativ für Gold.
Mit steigenden Realrenditen erhöhen sich die Opportunitätskosten des Goldbesitzes.
Der Trend hat sich abgeschwächt – und Modelle deuten darauf hin, dass die Goldallokationen weiter sinken könnten, sagt Glenn Coxon.

Sind Rohstoffe wieder im Trend?
In einem inflationären Umfeld ändert sich die Strategie.
Investoren suchen nach:
- Sachwerte
- Der US-Dollar
- inflationsindexierte Wertpapiere
Öl und Kupfer bleiben innerhalb dieses Rahmens gut unterstützt —klassische Inflationsabsicherungen sind angesichts steigender makroökonomischer Unsicherheit wieder gefragt.
Energie-, Verteidigungs- und Cybersicherheitsaktien gehören zu den Hauptgewinnern geopolitischer Spannungen.

Bitcoin: Entsteht eine neue Rolle?
Eine der faszinierendsten Entwicklungen ist Bitcoins Widerstandsfähigkeit gegenüber den Belastungen des Krieges.
Während der Krise im Nahen Osten wies die Kryptowährung eine geringe Korrelation mit traditionellen Risikoanlagen auf, einschliesslich Technologie.
Das ist bemerkenswert.
Es handelt sich noch nicht um einen vollständigen Regimewechsel – aber es deutet darauf hin, dass sich die Wahrnehmung von Bitcoin durch die Investoren verändern könnte.
Glenn Coxon ist nach den jüngsten Entwicklungen weniger pessimistisch, bevorzugt aber weiterhin das Abwarten.
Top-Auswahl für die nächsten 3 Monate
Mit Blick auf die Zukunft spiegelt die Positionierung eine vorsichtig konstruktive Perspektive wider – vorausgesetzt, die Spannungen lassen nach und der Inflationsdruck schwächt sich ab.
Coxon mag:
- Schwellenländer
Eine Abkühlung der Zinsen und der Geopolitik wäre ein starker Rückenwind. - Rohstoffe
Weiterhin in einem inflationssensiblen Umfeld unterstützt.
Die Krise im Nahen Osten versetzt die Märkte in Aufruhr, doch die Geschichte lehrt uns, dass solche Ereignisse selten beispiellos sind. Normalerweise sehen wir eine vertraute Sequenz:
Panik → Preisanpassung → Stabilisierung
Die tiefere Frage ist nicht die kurzfristige Volatilität — es geht darum, ob sich die Fundamentaldaten, die Wachstum, Inflation und Zinssätze antreiben, verändert haben. Anleger müssen emotionale Reaktionen von strukturellen Veränderungen trennen.
Der Inhalt dieses Artikels dient ausschliesslich Bildungs- und Marketingzwecken. Er stellt keine Anlageberatung oder Finanzempfehlungen dar.







